Heft 30 - Ansätze für ein Erhaltungsmanagement kommunaler Straßen unter Berücksichtigung des NKF

Jahr: 2019
Autor: Alexander Buttgereit

Kurzfassung

Mit Einführung des neuen kommunalen Finanzmanagements ist die Verkehrsinfrastruktur der Kommunen erfasst und monetär bewertet worden. Neben der technischen Sicht sind zusätzlich Lebenszykluskostenbetrachtungen von Interesse, die unter zu Hilfenahme vom Pavement Management (PM)-Systemen beantwortet werden sollen. Die Nutzungsdauer einer Straße hat dabei eine fundamentale Bedeutung für die Abschätzung des Finanzbedarfs. Denn sie beeinflusst die Höhe der jährlichen Abschreibungen. Außerdem ist es wichtig, Zustandsveränderung an Straßen rechtzeitig zu erkennen, um möglichst frühzeitig Erhaltungsmaßnahmen einzuleiten. Während für das übergeordnete Straßennetz mit der messtechnischen Zustandserfassung ein effizientes Verfahren zur Verfügung steht, fehlt für das übrige Straßennetz eine entsprechende Alternative. Folglich sind neue Lösungen für das kommunale Erhaltungsmanagement erforderlich.
Für die Nutzungsdauer kommunaler Straßen konnte im Rahmen dieser Arbeit durch die Kombination klassischer Verfahren zur Substanzbewertung mit modernen Verfahren zur Bestimmung des Straßenaufbaus und dessen Tragfähigkeit gezeigt werden, dass für unterschiedliche Straßenkategorien Nutzungsdauern von 30 bis 60 Jahren durchaus realistisch erreicht werden können. Wesentliche Voraussetzungen hierfür sind eine möglichst geringe Zahl an Aufgrabungen, ein gutes Qualitätsmanagement von der Planung bis zum Betrieb sowie eine ausreichend finanzierte Straßenerhaltung. Bei einer veränderten Erhaltungsstrategie sind vermutlich gerade für untergeordnete Straßen auch längere Nutzungsdauern zu erzielen. Diese Ergebnisse sind eine solide Basis für die Weiterentwicklung des strategischen Erhaltungsmanagements.
Um eine möglichst präzise visuell-sensitive Zustandserfassung für kommunale Verkehrsflächen in Asphalt- bzw. Pflasterbauweise durchzuführen, ist in einem zweiten Schritt in umfangreichen Testreihen ein Schadenskatalog definiert worden, mit dessen Hilfe im Laufe des Lebenszyklus der Straße reproduzierbare Zustandserfassungen erfolgen können. Die Ergebnisse werden auch zur Kontrolle der gewählten Erhaltungsstrategie genutzt.
Aufbauend auf den erzielten Ergebnissen sind die angewendeten Methoden zur Erfassung und Bewertung der Substanz des Oberbaus in das bisherige operative Erhaltungsmanagement implementiert worden. Die zusätzlichen Informationen über Aufbau und Tragfähigkeit der Straße können im weiteren Verlauf bei geplanten Baumaßnahmen von der Planung bis zur Bauausführung Berücksichtigung finden, die Wirtschaftlichkeit erhöhen und der Beurteilung der Ressourcen sowie des Stoffstrommanagements dienen.
Abschließend ist festzustellen, dass bei einer konsequenten Fortführung der dieser Arbeit zu Grunde liegenden Gedanken das bisherige Erhaltungsmanagement kommunaler Straßen zu einem ganzheitlichen Asset Management nach ISO 55000 entwickelt werden kann. 

Abstract

With the introduction of the new municipal financial management, the transport infrastructure of the municipalities has been recorded and evaluated in monetary terms. In addition to the technical perspective, life cycle cost considerations are also of interest, which are to be answered with the help of pavement management (PM) systems. The service life of a road is of fundamental importance for the estimation of financial requirements. This is because it influences the amount of annual depreciation. It is also important to detect changes in the condition of roads in good time in order to initiate maintenance measures as early as possible. While an efficient procedure is available for the higher-level road network in the form of metrological condition monitoring, there is no corresponding alternative for the rest of the road network. Consequently, new solutions for municipal maintenance management are required.
For the service life of municipal roads, the combination of classical methods for substance evaluation with modern methods for determining the road structure and its load-bearing capacity in the context of this work showed that service lives of 30 to 60 years can be realistically achieved for different road categories. Essential prerequisites for this are the lowest possible number of excavations, good quality management from planning to operation and sufficiently financed road maintenance. With a changed maintenance strategy, longer useful lives can probably be achieved for subordinate roads in particular. These results form a solid basis for the further development of strategic maintenance management.
In a second step, a damage catalogue has been defined in extensive test series in order to carry out as precise a as possible visual-sensitive condition assessment for municipal traffic areas in asphalt or pavement construction. The results are also used to control the selected maintenance strategy.
Based on the results obtained, the methods used to record and evaluate the substance of the superstructure have been implemented in the previous operative maintenance management. The additional information about the structure and bearing capacity of the road can be taken into account in the further course of planned construction measures from planning to construction, increase economic efficiency and serve to assess resources and material flow management.
In conclusion, it can be stated that if the ideas underlying this work are consistently continued, the previous maintenance management of municipal roads can be developed into a holistic asset management in accordance with ISO 55000.