Die MIEKA - Projekte

Die MIEKA Projekte (Migration, Integration und Entwicklungsprozesse im KindergartenAlter) bestehen aus mehreren miteinander verschränkten Projekten. 

AntragstellerInnen: Birgit Leyendecker, Banu Citlak, Axel Schölmerich

Förderung: VolkswagenStiftung,  Studiengruppen zu Migration und Integration, Förderungsvolumen: € 650.000

Förderungszeitraum: Mai 2005 – Mai 2008

Kooperationsparter: Die Städte Bochum und Herne sowie Bilge Yagmurlu (Koc Universität, Istanbul)

Kurzbeschreibung:

Aus unseren bisherigen Studien wissen wir, dass türkische Eltern sehr viel Wert auf die Bildung ihrer Kinder legen, selbst dann, wenn sie selber nur wenige Jahre die Schule besucht haben. Gleichzeitig zeigen viele Studien, dass Kinder, deren Eltern aus der Türkei zugewandert sind, teilweise in der Schule sehr erfolgreich sind, jedoch überproportional häufig nicht sehr erfolgreich sind. Wesentliche Gründe hierfür werden sowohl in der geringen Schulbildung der Eltern, die dadurch ihre Kinder nicht bei den Hausaufgaben unterstützen können, als auch in den mangelnden Deutschkenntnissen der Kinder gesehen.
Mit den miteinander verknüpften MIEKA Studien gehen wir der Frage nach, welche familiären und institutionellen Bedingungen die bestmöglichen Voraussetzungen bieten zur Förderung der sozialen, emotionalen, kognitiven, motorischen und sprachlichen Kompetenzen von Vorschulkindern aus zugewanderten Familien.

Unser Projekt besteht aus drei Unterprojekten:

1. MIEKA-RUB

In diesem Projekt begleiteten wir 100 Kinder und ihre aus der Türkei zuwanderten Eltern sowie 100 deutsche Kinder über die drei Jahre, die sie im Kindergarten verbringen. Im Laufe dieser drei Jahre fanden insgesamt 3 Interviews mit den Müttern der Kinder statt, die Erzieherinnen beantworteten uns ebenfalls in jedem Jahr Fragen zum Kind und zum Kindergarten und die Kinder sahen wir insgesamt 5 mal. Wir untersuchten zum einen die Entwicklung der kindlichen Kompetenzen, insbesondere die  kognitive, sprachliche, sozial-emotionale, grob- und feinmotorische Entwicklung. Zum anderen untersuchten wir auch den Einfluss der Kindergartenumwelt und der häuslichen Umwelt. Bisherige Untersuchungen zeigen, dass die Kinder, die sowohl in ihrer institutionellen als auch in ihrer familiären Umwelt gut gefördert werden, die besten Entwicklungsvoraussetzungen haben. In dieser Studie erheben wir sowohl die familiäre als auch die institutionelle Lernumwelt mit dem Ziel, Zusammenhänge zwischen den unterschiedlichen Kompetenzbereichen der Kinder und ihrer Lernumwelt zu finden. Hierbei interessieren uns sowohl protektive Faktoren, die die Kompetenzentwicklung fördern, als auch Risikofaktoren, die die Entwicklung der Kinder in einem oder in mehreren Bereichen hemmen können.

Diese längsschnittliche Studie lässt sich in vier Bereiche aufteilen:

  •  Entwicklung von kognitiven, sozial-emotionalen, fein- und grobmotorischen Kompetenzen

  • Deutsche Sprachkenntnisse – Vergleich von Lernprozessen bei Kindern mit deutscher und mit türkischer Muttersprache
    Instrumente: ET 6-6 (deutsche Version und eine türkische Übersetzung), sprachfreie Unterskalen SON und K-ABC, SETK 3-5, Fragebögen für Erzieherinnen (ERZI 1, 2 und 3), Fragebogen für Eltern (LQ).

  • Familiäre Lernumwelt –Lebensbedingungen der Familien, Schlüsselcharakteristika der Eltern, qualitative Merkmale der häuslichen Umwelt.
    Instrumente: EQ, TBI, LQ, APQ, Demog-Q, ESI, MD, SNI, SGI-PileSort, AQ, DMQ.

  • Institutionelle Lernumwelt - Quantitative Aspekte (wie oft und seit wann gehen die Kinder in den Kindergarten, wie sieht die Zusammensetzung der Gruppen im Hinblick auf die Muttersprachen der Kinder aus) und qualitative Aspekte (Evaluation der pädagogischen Qualität der Einrichtungen, einschließlich der Förderangebote für die Kinder, z. B. Sprachförderung, Förderung von mathematischem Verständnis, phonologische Bewusstheit, Musik u.a.m.).
    Instrumente: Fragebögen für die ErzieherInnen (Erzi 1 -3), KES, ECERS-E.

Publikationen:

Giesen, U., Agache, A., & Leyendecker, B. (im Druck/ 2017). Positive Effekte eines frühen Starts in eine Kindertageseinrichtung auf die Entwicklung sprachlicher Kompetenzen im Deutschen bei Vorschulkindern aus türkischsprachigen Familien: Ergebnisse einer latent-change Analyse. Psychologie in Erziehung und Unterricht.

Jäkel, J., Wolke, D. & Leyendecker, B. (2012). Resilienz im Vorschulalter: Wie stark kann die familiäre Leseumwelt biologische und soziokulturelle Entwicklungsrisiken kompensieren? Zeitschrift für Familienforschung/ Journal of Family Research, 24 (2), 148-159. http://www.zeitschrift-fuer-familienforschung.de/pdf/2012-2-jaekel_wolke_leyendecker.pdf

Leyendecker, B., Jäkel, J., Olcay Kademoglu, S., & Yagmurlu, B. (2011). Parenting practices and preschoolers’ cognitive skills in Turkish immigrant and German families. Early Child Development and Care, 181 (8), 1095 – 1110. DOI: 10.1080/03004430.2010.517836 http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/03004430.2010.517836#.VP2eOY40_0w

Jäkel, J., Schölmerich, A., Kassis, W.,  Leyendecker, B (2011). Paternal book reading as a resource for pre-schoolers’ cognitive skills – A comparison of Turkish migrant and German non-migrant families. International Journal of Developmental Science, 5, 27-39. . DOI: 10.3233/DEV-2011-11075 http://iospress.metapress.com/content/l093747004464020/fulltext.pdf

Caspar, U. & Leyendecker, B. (2011). Deutsch als Zweitsprache. Die Sprachentwicklung türkischstämmiger Vorschulkinder in Deutschland. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 43 (3), 118 – 132. DOI: 10.1026.0049-8637/a000046   http://www.psycontent.com/content/9u22m4w584080602/?p=ca842214b4ae420fa94aac612e40c5c8&pi=0

Leyendecker, B.( 2011). Children from immigrant families – adaptation, development, and resilience. Current trends in the study of migration in Europe. International Journal of Developmental Science, 5, 3-9. DOI: 10.3233/DEV-2011-002. http://iospress.metapress.com/content/h12x1k243n54l821/fulltext.pdf

Durgel, E., Leyendecker, B., Yagmurlu, B., & Harwood, R. (2009). Sociocultural influences on German and Turkish immigrant mothers’ longterm socialization goals. Journal of Cross-Cultural Psychology, 40, 834 -852. DOI: 10.1177/0022022109339210 http://jcc.sagepub.com/content/40/5/834.abstract

Jäkel, J. &, Leyendecker, B., (2009). Erziehungspraktiken und Bildungserwartungen von türkischstämmigen und deutschen Müttern. Psychologie in  Erziehung und Unterricht, 56, 1-15. http://www.reinhardt-Verlag.de/en/einzelheft/50103/Erziehungsverhalten_tuerkischstaemmiger_und_deutscher_Muetter_von_Vorschulkindern//681/abstract_de/

Jäkel, J. & Leyendecker, B. (2008). Tägliche Stressfaktoren und Lebenszufriedenheit türkischstämmiger Mütter in Deutschland. Zeitschrift für Gesundheitspsychologie,16 (1), 12-21. DOI: 10.1026/0943-8149.16.1.12 http://psycontent.metapress.com/content/906540m717663uv9/?p=e46f22d74bd34b69be0bdd68cbb3119b&pi=2 

Citlak, B., Leyendecker, B., Harwood, R. L., & Schoelmerich, A. (2008). Long-term socialization goals of first and second generation migrant Turkish mothers and German mothers. International Journal of Behavioral Development, 32, 57 – 66. DOI: 10.1177/0165025407084052 http://jbd.sagepub.com/content/32/1/56.abstract

 Schölmerich, A., Leyendecker, B., Citlak, B., Caspar, U. & Jäkel, J. (2008). Assessment of migrant and minority children. Journal of Psychology, 216 (3), 188 – 195.

Leyendecker, B. (2011). Frühe Kindheit in zugewanderten Familien – Diversität von Lebenslagen, Sozialisationszielen und Erziehungsstilen. In E. Hammes-Di Bernado & S.A. Schreiner (Hrsg.): Diversität. Ressource und Herausforderung für die Pädagogik der frühen Kindheit (S. 52-60). Weimar/ Berlin: Verlag das Netz.

Leyendecker, B. (2011). Bildungsziele von türkischen und deutschen Eltern – was wird unter Bildung verstanden und wer ist für die Vermittlung zuständig? In U. Neumann & J. Schneider (Hrsg.) Schule mit Migrationshintergrund (S. 276-284). Münster: Waxmann.

Schölmerich, A. & Leyendecker, B. (2011). The context for parenting and child development – Turkish migrant parents and child development. In S. Bonichini & M.R. Baroni (Eds.), Sviluppo e salute del bambino: fattori individuali, sociali e culturali. In ricordo di Vanna Axia (pp. 174-180). Padova: Cleup.

Schölmerich A. & Leyendecker, B. (in Vorbereitung,12/2007). Psychologische Diagnostik bei Kindern aus zugewanderten Familien. In D. Irblich & G. Renner (Hrsg.). Diagnostik in der klinischen Kinderpsychologie. Die ersten sieben Lebensjahre. Göttingen: Hogrefe

Schölmerich, A., Leyendecker, B., & Driessen, R. (2010). Intelligenzdiagnostik bei Kindern mit Zuwanderungshintergrund. In F. Petermann & G. Renner (Hrsg.), Fallbuch SON-R 2 ½ - 7 (S. 193-202). Göttingen: Hogrefe

Schölmerich A. & Leyendecker, B. (2009). Psychologische Diagnostik bei Kindern aus zugewanderten Familien. In D. Irblich & G. Renner (Hrsg.). Diagnostik in der klinischen Kinderpsychologie. Die ersten sieben Lebensjahre (430 – 442). Göttingen: Hogrefe

Leyendecker, B., Yagmurlu, B., Citlak, B., Dost, A. & Harwood, R.L.  (2009). Langfristige Sozialisationsziele von migrierten und nicht-migrierten Müttern in der Türkei und in Deutschland – der Einfluss von Bildung, Kultur und Migrationserfahrungen. In  I. Dirim & P. Mecheril (Hrsg.), Migration und Bildung. Wissenschaftliche Kontroversen (S. 147-160). Münster: Waxmann.

Leyendecker, B. (2008). Frühkindliche Bildung von Kindern aus zugewanderten Familien – die Bedeutung der Eltern. In M. Bommes (Hg.), Indikatoren und Gestaltungselemente nachholender Integrationspolitik. IMIS-Beiträge, 34, 91-102.

 

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2. MIEKA-S

In Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern der Städte Bochum und Herne wurden von knapp 4000 Eltern, deren Kinder 2006 eingeschult wurden, Daten erhoben zu:

  • ihrer Lebenssituation (insbesondere Migrationshintergrund und Bildung),
  • der Partizipation im Kindergarten (seit wann, Stunden pro Tag),
  • ihren Erziehungseinstellungen (insbesondere im Hinblick auf Schule und Bildung) und
  • ihren Erziehungspraktiken (Vorlesen, Spielen, TV Konsum, extracurriculare Aktivitäten).

Dieser Fragebogen wird mit den Daten der Schuleingangsuntersuchungen verknüpft. Während der Fokus des Längsschnitts auf den türkischen Familien liegt, erlaubt die Befragung einer Einschulungskohorte die Einbeziehung von Eltern unterschiedlichster Herkunft. Damit lässt sich überprüfen, inwieweit die Ergebnisse von MIEKA-RUB auf andere Gruppen von zugewanderten Familien übertragen lassen.

 




Publikationen:

Leyendecker, B., Citlak, B., Schräpler, K. & Schölmerich, A.  (2014). Bildungserwartungen beim Übergang in die Grundschule – Ein Vergleich von deutschen und zugewanderten Eltern. Zeitschrift für Familienforschung/ Journal of Family Research, 26 (1), 70-93. http://www.zeitschrift-fuer-familienforschung.de/pdf/2014-1-leyendecker_citlak_schraepler_schoelmerich.pdf

 

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3. MIEKA-T

Spiegeln die Einstellungen der Mütter ihren kulturellen Hintergrund oder ihre Migrationserfahrunen wider? Um dieser Frage nachzugehen, haben wir zusätzlich wurden im Frühjahr 2007 in unterschiedlichen Regionen der Türkei 60 Mütter von 5-jährigen Kindern befragt. Dieser Teil der Studie wurde an der Koc Universität in Istanbul durchgeführt.

Publikationen:

 Yagmurlu, B., Citlak, B., Dost, A. & Leyendecker, B. (2009). Türk Annelerin Çocuk Sosyalleştirme Hedefleride: Eğitime Bağlı Olareak Gözlemlenen Farkliliklar (Child Socialization Goals of Turkish Mothers: An investigation of education related within-culture variation). Türk Psikoloji Dergesi (Turkish Journal of Psychology), 24, 1-15. 

Leyendecker, B., Yagmurlu, B., Citlak, B., Dost, A. & Harwood, R.L.  (2009). Langfristige Sozialisationsziele von migrierten und nicht-migrierten Müttern in der Türkei und in Deutschland – der Einfluss von Bildung, Kultur und Migrationserfahrungen. In  I. Dirim & P. Mecheril (Hrsg.), Migration und Bildung. Wissenschaftliche Kontroversen (S. 147-160). Münster: Waxmann.

 

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