Projekte

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  • Sie sind StudentIn und haben Interesse an einem Forschugspraktikum in unserer AE?

Kommen Sie im GAFO 04/602 vorbei, rufen Sie uns an oder schreiben Sie eine E-Mail an Prof. Weigelt.

 

Projekte aus unserer Arbeitseinheit, die bereits abgeschlossen sind, finden Sie hier

 

Folgende Projekte laufen momentan in unserer Arbeitseinheit oder werden in Kürze realisiert:

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BOCHISOD

Erstellung und Evaluation eines Fragebogens zur Orientierungs- und Navigationsfähigkeit bei 6 bis 12-jährigen Kindern und Erwachsenen
Räumliche Orientierung und Navigation sind für Menschen im Alltag von hoher Bedeutung. Um sich in seiner Umwelt zurechtzufinden, also sicher und zielgerichtet von einem Ort zum anderen und wieder zurück zu navigieren, wird ein kontinuierliches Update des eigenen Standortes in Relation zur Umwelt benötigt. Diese Fähigkeit wird durch die visuelle Verarbeitung der umgebenden Szenerie erreicht. Zusätzlich werden der zurückgelegte Weg und die eingeschlagene Richtung unbewusst durch die Analyse körpereigener Bewegungsinformationen aufrechterhalten. Diese Fähigkeiten sind nicht angeboren, sondern entwickeln sich mit zunehmender Erfahrung in der Kindheit. In der Altersspanne zwischen 6 bis 12 Jahren lässt sich hier eine drastische Verbesserung beobachten.
Um die räumliche Orientierungsfähigkeit schnell und einfach für wissenschaftliche Studien zu erheben, entwickeln wir einen Fragebogen speziell für Kinder, angelehnt an eine vorhandene, etablierte Erwachsenenversion.
Die Validierung und Evaluation des Fragebogens erfolgt anhand zweier Verhaltens-Tests.
Zum einen haben wir einen Pfadintegrations-Test entwickelt, der die Analyse propriozeptiver Bewegungsinformationen erfasst. Zum anderen nutzen wir zur Erfassung der Orientierung anhand visueller Informationen eine kindgerechte Version des computerbasierten Apple-Games, welches in der neuropsychologischen Forschung mit Erwachsenen bereits Verwendung findet.
Die Testungen finden vorwiegend im Offenen Ganztagsangebot an Grund- und weiterführenden Schulen statt.
Zur Gewährleistung der Vergleichbarkeit zwischen den Altersgruppen untersuchen wir zusätzlich Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren. Diese Altersgruppe absolviert eine erweiterte Version des Fragebogens und die beiden bestehenden Verhaltensaufgaben. Die Testungen von Erwachsenen werden an der Ruhr-Universität Bochum durchgeführt.

Projektteam: Anoschin, Bode, Schillings, Meißner, Weigelt


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BRIWI

Wie viele Grundschulkinder in Deutschland tragen eine Brille? – Eine epidemiologische Studie

Im Rahmen der geplanten Studie soll erfasst werden, wie viele Grundschulkinder in Deutschland eine Brille tragen, da es hierzu bislang keine Zahlen gibt. Die Prävalenz des Brilletragens fungiert dabei als indirektes Maß für die Fehlsichtigkeits- rate. Da die Fehlsichtigkeitsrate weltweit ansteigt, ist es wichtig zu wissen, wie viele Kinder in Deutschland fehlsichtig sind, denn gutes Sehen ist essenziell für eine gesunde Entwicklung.
Mögliche Ursachen für den Anstieg werden in den veränderten Seh- und Lebensbedinungen gesehen: die vermehrte Nutzung von elektronischen Medien, das intensive Lernverhalten und die verminderte Zeit, die im Freien verbracht wird. Um dies zu untersuchen, wird ein Fragebogen erstellt, der von den Eltern aller SchülerInnen der ersten Klasse in allen 17 Wittener Grundschulen ausgefüllt werden soll. Ziel ist dementsprechend eine Vollerhebung unter den ca. 710 SchülerInnen. Witten stellt dabei eine mögliche repräsentative Stadt für die gesamte Bundesrepublik dar.

Projektteam: Er, Weigelt


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COMPARE Emotion

Die Verarbeitung und Regulation von Emotionen bei Kindern psychisch erkrankter Eltern

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten Erkrankungen unserer Zeit. Mit einer psychischen Erkrankung wie zum Beispiel einer Depression, einer Angststörung oder einer Sucht sind nicht nur erhebliches Leiden und Beeinträchtigung für die Betroffenen verbunden. Auch für die Kinder der Betroffenen bedeutet dies häufig eine große Belastung. Für sie ist es ganz besonders schwierig zu verstehen, warum Mama oder Papa sich plötzlich anders verhalten, nicht mehr mit ihnen spielen oder lachen können. Studien haben gezeigt, dass Kinder psychisch erkrankter Eltern ein erhöhtes Risiko haben im Laufe ihres Lebens selbst psychisch zu erkranken. Wie genau psychische Erkrankungen übertragen werden, ist jedoch noch wenig erforscht. Deshalb untersucht unsere Studie die Wahrnehmung und den Umgang mit Gefühlen, die bei der Entwicklung und Chronifizierung psychischer Erkrankungen eine wichtige Rolle spielen.

Wir betrachten in unserer Studie, wie bestimmte Eigenschaften der psychischen Erkrankung der Eltern, z.B. die Dauer oder die Art der Erkrankung, mit der Wahrnehmung und Steuerung von Gefühlen bei ihren Kindern in Zusammenhang stehen. Zudem interessiert uns, welche positiven Auswirkungen eine psychotherapeutische Behandlung und ein Elterntraining auf die Gefühlswahrnehmung und -steuerung der Kinder haben. So möchten wir Aufschluss über Ansatzpunkte präventiver Maßnahmen erlangen, um den Teufelskreis zu durchbrechen und zu verhindern, dass die Kinder selbst erkranken. Diese Studie wird in Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt und ist Teil des Forschungsprojekts „Children of Mentally Ill Parents at Risk Evaluation (COMPARE)”, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird.

Projektteam: Hagelweide, Weigelt


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EMSEWI

Emotionale Sensibilisierung und Wissenserwerb von Grundschulkindern in Bezug auf geflüchtete Kinder durch eine schulische Kurzintervention

Die Fähigkeit zur Empathie und wie diese gesteigert werden kann sind seit mehr als drei Jahrzehnten Gegenstand der psychologischen Forschung. Im Hinblick auf bestimmte Gruppen von Menschen existiert eine Vielzahl an Empathietrainings und -interventionen für verschiedene Ziel- und Altersgruppen. Auch im schulischen Kontext kommen Programme zur Förderung von Empathie in Bezug auf Minderheiten innerhalb der Klasse zum Einsatz.
Eine „neue“ kulturelle Minderheit stellt seit Ende 2015 die Gruppe der geflüchteten Kinder dar. Aufgrund der steigenden Zahl an geflüchteten Kindern in deutschen Grundschulen und der Tatsache, dass positive Beziehungen zu gleichaltrigen, einheimischen Kindern einen wichtigen Baustein für eine gelingende Integration geflüchteter Kinder darstellen, möchte die geplante Studie einen Beitrag zur emotionalen und informativen Sensibilisierung von Grundschulkindern in Bezug auf geflüchtete Kinder leisten.
Dazu wird im schulischen Rahmen eine dreiteilige Kurzintervention mit 8-10-jährigen Kindern der dritten und vierten Klassen zweier Grundschulen durchgeführt. Ziel der Studie ist es, durch die entwickelte Kurzintervention die Empathie sowie das Wissen zu den Themen „Flucht und Geflüchtete“ zu erhöhen. Die Messung der Empathie und des Wissens findet im Prä-Post-Design vor der Kurzintervention und nach dem zweiten Teil der Kurzintervention anhand des Empathiefragebogens „Feeling & Thinking“ sowie eines von der Versuchsleitung erstellten Wissensfragebogens statt.

Projektteam: Graf, Weigelt


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FAME

Die Entwicklung der Wahrnehmung von und des Gedächtnisses für Gesichter im Erwachsenenalter

Die Verarbeitung von der Gesichtswahrnehmung ist entscheidend für unsere soziale Interaktion. Eine Studie von Weigelt und Kollegen (2014) zeigte unterschiedliche Entwicklungsverläufe für das Gesichtsgedächtnis und die Gesichtswahrnehmung in der Kindheit. Während sich das Gedächtnis für Gesichter im Laufe der Kindheit deutlich stärker verbesserte als das Gedächtnis für andere Objektkategorien (Autos, Szenen und Körper), unterschied sich die Entwicklung der Wahrnehmung von Gesichtern nicht von dieser Entwicklung bei anderen Objektkategorien. Studien zeigen zudem, dass die Fähigkeiten der Gesichtsverarbeitung mit zunehmendem Alter (besonders ab der 6. – 7. Dekade) abnehmen (Germine et al., 2011). Allerdings gibt es unseres Wissens nach bisher keine Studien, die Alterungsprozesse getrennt für diese beiden Prozesse untersuchen.
Ziel der Studie ist es, die Entwicklung der Wahrnehmung von und des Gedächtnisses für Gesichter im Vergleich zu anderen Objektkategorien bei insgesamt 60 Erwachsenen im Alter von 20 bis 75 zu untersuchen. Wie in der Studie von Weigelt und Kollegen (2014), so besteht das Paradigma auch hier aus einer Gedächtnis- und einer Wahrnehmungsaufgabe. In der Gedächtnisaufgabe sollen sich die Probanden zunächst zehn Gesichter und zehn Autos merken. In der anschließenden Testphase müssen die Probanden aus zwei Optionen jeweils das gelernte Gesicht bzw. Auto wählen. Danach folgt die gleiche Aufgabe mit der Präsentation von Körpern und Szenen. Im Wahrnehmungsparadigma wird den Probanden ein Stimulus (wieder geblockt nach Gesichtern, Autos, Körpern und Szenen) gezeigt, und direkt danach sollen sie aus zwei Stimuli den soeben gezeigten identifizieren. Die Ähnlichkeit zwischen den beiden simultan gezeigten Stimuli wird hierbei parametrisch variiert.

Projektteam: Tel, Limbach, Weigelt


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FAREPI

Unterschiede in der Gesichtswiedererkennung zwischen realen und piktoralen Gesichtern bei Kindern und Erwachsenen

Die aktuelle Studie beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die in der entwicklungspsychologischen Forschung erarbeiteten Befunde zur Gesichtswiedererkennung, welche in erster Linie Fotos von Gesichtern als Stimuli verwenden, auf reale Situationen übertragbar sind. Zu den entwicklungspsychologischen Befunden gehört, dass das Gesichtergedächtnis bei Kindern vor dem Alter von 10 noch nicht so entwickelt ist wie bei Erwachsenen (Weigelt et al, 2010) und dass Frauen besser Gesichter wiedererkennen können als Männer (Rehnmann & Herlitz, 2007). Von Duchaine & Nakayama wurde 2006 weiterhin der Cambridge Face Memory Test (CFMT) als standardisierter Test zur Messung Gesichtswiedererkennungsleistung entwickelt. Dieser verwendet ebenfalls Fotos von Gesichtern als Stimuli. Die Befunde von Snow, Skiba, Coleman, & Berryhill (2014) zeigen jedoch, dass der Abruf und die Wiedererkennung real dargebotener Objekte signifikant besser ist als der piktorial dargebotener Objekte. Aus diesem Grund kann die Übertragbarkeit von Ergebnissen zur piktorialen Gesichtsverarbeitung auf die reale Gesichtsverarbeitung nicht als gegeben angenommen werden. Dies soll in der aktuellen Studie untersucht werden. Um eine reale Situation zu erzeugen, in welcher die Gesichtswiedererkennungsfähigkeit eine Rolle spielt, wurde eine sequentielle polizeiliche Gegenüberstellung simuliert, in welcher die 49 Probanden (29 Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren, 20 Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren) einen eine Woche zuvor gesehenen Täter unter zusätzlich vier anderen Verdächtigen identifizieren sollten. Anschließend führten die Probanden den CFMT durch. Auf Basis der entwicklungspsychologischen Befunde wird davon ausgegangen, dass 1) erwachsene Probanden signifikant besser in der Täteridentifikation sind als Kinder, dass 2) weibliche Probanden signifikant besser in der in der Täteridentifikation sind als männliche Probanden, und dass 3) die Leistung im CFMT mit der Leistung in der Täteridentifikation positiv zusammenhängt.

Projektteam: Dette, Diel, Müller, Weigelt


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INTOUCH

Mechanismen der Körpercodierung bei 9- bis 10-jährigen Kindern und jungen Erwachsenen

Neben Gesichtern sind auch Körper wichtige soziale Stimuli, deren Bedeutung in der letzten Zeit zunehmend erkannt und erforscht wird. Körper helfen uns zum Beispiel dabei, die Identität oder den emotionalen Zustand anderer Menschen zu erkennen. Allerdings ist über die Verarbeitung und Codierung von Körpern im menschlichen Gehirn bei Erwachsenen noch wenig und bei Kindern noch gar nichts bekannt. Mit einem tabletbasierten, spielererischen Paradigma soll daher in dieser Studie erforscht werden, wie Kinder und Erwachsene Körper im Gehirn codieren und abspeichern und ob es dabei Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen gibt.
Langfristig ist dieses Wissen auch relevant für die Erforschung atypischer sozialer Wahrnehmung, wie zum Beispiel bei Autismus-Spektrum-Störungen.

Projektteam: Hönekopp, Weigelt, Koldewyn


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NEXT

Lernen ist schwer. Vergessen ist manchmal noch schwerer.

Jeden Tag steuern wir durch die Realität und lernen immer wieder neu dazu, z.B. wie wir uns gegenüber alten und neuen Bekannten verhalten müssen, oder welche Probleme das Software-Update unseres Handys machen kann, wenn sich die Bedienung hierbei verändert.
Die Forschung hat bislang gezeigt, dass wir diese Leistungen durch ein komplexes Zusammenspiel von Assoziations- und Extinktionslernen vollbringen. Unter Assoziationslernen verstehen wir den Erwerb neuer Verhaltensweisen, die wir mit einer bestimmten Situation verbinden, und Extinktionslernen ist ein Prozess, der einsetzt, wenn bereits erworbene Verhaltensweisen in einem bestimmten Kontext – z.B. Witze zu erzählen, wenn der Freund gerade wütend ist – nicht mehr zielführend sind und für diesen Kontext umgelernt werden müssen. Die Extinktion beinhaltet somit nicht nur das Vergessen alter Informationen, sondern sie umfasst auch einen neuen Lernprozess, der das zuvor Gelernte überlagert. Die Mechanismen des Erstlernens, z.B. das Schreiben lernen in der Schule, sind bisher sehr gut untersucht, wohingegen die des Extinktionslernens leider bislang nur lückenhaft verstanden sind.
Wir vermuten, dass sich die Fähigkeit zum Extinktionslernen von der Kindheit bis in das Jugendalter verändert und weiter ausreift und wollen die hier zugrunde liegenden Entwicklungsprozesse mit Euch genauer unter die Lupe nehmen. Wie vergisst das Gehirn oder wie überschreibt es früher gelernte Gedächtnisinhalte? Hierbei interessiert uns vor allem, wie Assoziations- und Extinktionslernen in unserem Gehirn verankert sind und ob Erwachsene beispielsweise andere Hirnareale nutzen als Kinder und Jugendliche.
Für unsere Studie verwenden wir einfache Experimente am Computer oder Tablet, sowie die Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT-Technologie ist ein Verfahren, das nicht-invasiv, d. h. für den Körper unschädlich, ist, bei dem keine ionisierende Strahlung (Radioaktivität) eingesetzt wird und über das keine Nebeneffekte oder negativen Langzeiteffekte bekannt sind. Dafür liefert sie uns jedoch tolle Einblicke in den spannenden Aufbau des Gehirns.
Neue Erkenntnisse auf dem Gebiet des Extinktionslernen können wir in den direkten Umgang miteinander übersetzen. Zum Beispiel könnte der Unterricht an Schulen optimiert werden und neue Präventions- und Therapieprogramme für Kinder und Jugendliche mit Angststörungen entwickelt und bereits bestehende verbessert werden.


SCENEPRO

Entwicklung der szenenselektiven Gehirnregionen zwischen Kindheit und Erwachsenenalter

In dieser Studie untersuchen wir die Entwicklung der Hirnregionen, die speziell für die Verarbeitung von Szenen (z.B. Landschaften, Häuser, etc.) zuständig sind. Die Entwicklung dieser Hirnregionen und deren Verbindung untereinander kann möglicherweise Aufschlüsse darüber geben, wie sich die Szenenverarbeitung und andere, davon abhängige Prozesse – wie z.B. der Orientierungssinn – entwickelt/entwickeln. Um die Entwicklung der entsprechenden Hirnareale zu untersuchen, haben wir verschiedene Aufgaben entwickelt, die während einer funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) bearbeitet werden. Unsere Teilnehmer/Teilnehmerinnen sehen Szenen oder Objekte (als Vergleich; z.B. Telefon, Gießkanne) und müssen Fragen beantworten wie "Kam das gleiche Bild zweimal hintereinander? Hast du ein grünes Kreuz im Bild entdeckt?". Außer den Aufgaben können unsere Teilnehmer/Teilnehmerinnen auch ganz entspannt kurze Videos schauen oder einfach mal nichts tun und nur im MRT-Scanner liegen. 40 sieben- bis achtjährige und 40 elf- bis zwölfjährige sowie 20 Erwachsene werden an der Studie teilnehmen. Alle Kinder werden vor der eigentlichen fMRT-Messung an einem separaten Termin im Trainingsscanner spielerisch auf die Messung vorbereitet.

Projektteam: Meissner, Weigelt

Wir haben SCENEPRO beim VSS Annual Meeting 2017 und SfN Annual Meeting 2017 als Abstract eingereicht und in Posterform präsentiert.


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VISTAD

Unabhängige Einflüsse von visuell-räumlicher und zeitlicher Aufmerksamkeit auf LRS

Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) wird definiert als kognitive Dysfunktion, die – bei normaler Intelligenz und adäquaten Möglichkeiten zum Lesen lernen – den Erwerb der Schriftsprache negativ beeinflusst. Die vielfältigen Symptome der LRS beeinflussen jeden Betroffenen unterschiedlich, Kerndefizite zeigen sich aber vor allem in Schwierigkeiten mit fehlerfreiem oder fließendem Lesen und Schreiben.
Bisherige Forschung konnte zeigen, dass Kinder vor dem Lesealter mit einem Risiko für LRS bereits visuelle Aufmerksamkeitsdefizite zeigen. Diese Defizite können genutzt werden, um zuverlässig vorherzusagen, welche Kinder eine LRS entwickeln werden. Des Weiteren wurde herausgefunden, dass ein nur 12- stündiges Aufmerksamkeitstraining mit einem Videospiel die Lesefähigkeiten bei LRS-Kindern signifikant steigern kann.
Derzeit existiert noch kein einziger verlässlicher diagnostischer Test oder Leseförderungsprogramm; das heißt auch wenn Kinder korrekt mit LRS diagnostiziert werden, kann es sein, dass die vorhandenen Lese-Interventionen die Lesefähigkeit nicht steigern.
In diesem Projekt wollen wir herausfinden, ob Personen mit LRS in einer, mit visueller Aufmerksamkeit verknüpften Aufgabe, eine andere Leistung als Kontrollpersonen zeigen. Um diese Frage zu untersuchen, haben wir die Reaktionszeiten und Genauigkeit von 10 Personen mit LRS und 10 Kontrollpersonen in einer Wort-Leseaufgabe und einer visuellen Aufmerksamkeitsaufgabe am Computer analysiert. Zusätzlich haben wir die unabhängige n Einflüsse der von räumlichen und zeitlichen Hinweisreizen auf unsere Aufgabe untersucht. Die Erkenntnisse daraus könnten die Wirksamkeit der aktuellen Interventionen verbessern und es ermöglichen, präventive Interventionen für Kinder vor dem Lesealter mit einem Risiko für LRS zu entwickeln.

Projektteam: Obreiter, Weigelt


 

 

Die folgenden Projekte wurden bereits beendet:

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BODYBANK

Die Erstellung und Evaluation einer Datenbank für Körperstimuli

Der Körper ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Er lässt uns nicht nur verschiedene physische Tätigkeiten, basierend auf unserer körperlichen Konstitution verrichten, sondern hilft uns ebenfalls in unterschiedlichen sozialen Situationen. Der Körper ermöglicht uns, den gesundheitlichen Status und das emotionale Befinden des Gegenübers zu erkennen. Außerdem ermöglicht er es uns, ähnlich wie bei dem Gesicht, einen Menschen besser einzuschätzen und zu klassifizieren, auch ohne sozialen Kontext. Bisher gibt es nur Datenbanken für Körperphotographien und künstlich - generierten Körpern von Erwachsenen. Für viele körperbezogene Störungen im Jugendalter (z.B. Essstörungen) werden diese Datenbanken benutzt. Allerdings würden sich Photographien von Jugendlichen besser eignen, um mit Jugendlichen zu arbeiten, da diese sich mit Gleichaltrigen eher identifizieren können – je ähnlicher man sich ist, desto höher ist die Identifikation. Daher wäre mit dieser neuen Datenbank weitergehende, verbesserte Forschung möglich. Bei der vorliegenden Studie wird eine Datenbank mit bekleideten Körperphotographien von Kindern und Jugendlichen erstellt und durch Studierende hinsichtlich verschiedener Aspekte (Alter, Geschlecht, Attraktivität etc.)evaluiert.


Projektteam: Franke, Polesch, Weigelt


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BRAINDEV

Die Entwicklung kategorieselektiver Gehirnregionen bei Kindern und Jugendlichen

Im Forschungsprojekt „Die Entwicklung kategorieselektiver Gehirnregionen bei Kindern und Jugendlichen“ soll ein tieferes Verständnis der kindlichen Wahrnehmung und Gehirnentwicklung erreicht werden. In einem zentralen Aspekt der visuellen Wahrnehmung, nämlich der sozialen Wahrnehmung von Gesichtern, werden die neurophysiologischen Grundlagen untersucht, die mit Daten aus Verhaltensexperimenten über die Entwicklung der Fähigkeit zur Differenzierung verschiedener Gesichtern assoziiert sind. Wie wir in einer soeben zur Publikation akzeptierten Studie zeigen konnten, zeigt sich auf Verhaltensebene ein rasanter Lernfortschritt im Gesichtergedächtnis in der Altersspanne von 5 bis 10 Jahren (Weigelt et al. (2014) „Domain-specific development of face memory, but not face perception“, Developmental Science). Fünfjährige Kinder können sich verschiedene, aber ähnliche Gesichter nur sehr schlecht merken, zehnjährige Kinder dagegen erbringen fast die gleiche Leistung wie Erwachsene. Das Forschungsprojekt verfolgt die Hypothese, dass im Laufe der Kindheit eine Ausdifferenzierung von Nervenzellverbänden in den für die Gesichterwahrnehmung zuständigen Gehirnregionen stattfindet. Diese Ausdifferenzierung lässt sich mit dem Verfahren der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), speziell mit der fMRT-Adaptation, darstellen. Da die fMRT-Adaptation bislang nur bei erwachsenen Versuchspersonen eingesetzt wurde, ist ein Meilenstein im vorgeschlagenen Forschungsprojekt die Entwicklung und Validierung eines kindgerechten fMRT-Adaptationsparadigmas.

Projektteam: Nordt, Semmelmann, Genc, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Age-related increase of image-invariance in the fusiform face area" im Journal Developmental Cognitive Neuroscience publiziert.


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CARIN - Car Inversion

Sind Autos in Gesichtserkennungs-Aufgaben als Kontrollstimuli geeignet?

Um die Gesichterwahrnehmung mit der Objektwahrnehmung zu vergleichen, werden oftmals Autos als Kontrollreize verwendet. Meist werden die Gesichter in der Frontal- die Autos aber in der Seitenansicht gezeigt. Hintergrund für diese Praxis ist die bislang nicht empirisch untermauerte Vermutung, dass Autos in der Frontalansicht Gesichtern sehr ähnlich sehen und eventuell wie diese gesondert verarbeitet werden. In der vorliegenden Studie möchten wir diese Hypothese überprüfen, indem wir einen für die Gesichterwahrnehmung spezifischen Effekt - den Inversions-Effekt - bei Autos in Frontal- und Seitenansicht untersuchen. Der Inversions-Effekt zeigt, dass Gesichter, die aufrecht dargeboten werden, deutlich besser erkannt werden als Gesichter, die auf dem Kopf dargeboten werden. Dieser Effekt ist bei Gesichtern sehr viel stärker ausgeprägt als bei anderen Objekten. Es wurden 31 erwachsene Probanden (Alter 19 – 38 Jahre) mit Gedächtnistests in einem 2 x 2 x 2 faktoriellen Within-Subject-Design mit den Faktoren Objektkategorie (Auto, Gesicht), Perspektive (Frontalansicht, Profilansicht) und Orientierung (aufrecht, umgedreht) untersucht. Die Probanden bekamen zunächst die Aufgabe, sich 20 Reize (z.B. 10 Gesichter und 10 Autos) zu merken. Danach folgte der Abruf in Form eines 2-AFC-Tasks bei dem zwei Reize - ein alter und ein neuer Distraktorreiz - nebeneinander dargeboten werden und der Proband angeben muss, welchen der beiden er zuvor gesehen hat. Eine Varianzanalyse mit Messwiederholung zeigte 1) einen Haupteffekt der Perspektive, d.h. Items in der Frontalansicht werden besser erinnert als solche in der Seitenansicht 2) einen Haupteffekt der Orientierung, d.h. aufrechte Items werden besser erinnert als umgedrehte Items und 3) eine Interaktion zwischen der Kategorie und der Orientierung: Der Inversionseffekt ist bei Gesichtern wesentlich stärker als bei Autos (disproportionate inversion effect). Post-hoc t-Tests zeigten Inversionseffekte für Gesichter in den beiden Perspektiven Front- und Seitenansicht, bei Autos trat dieser Effekt nur in der Seitenansicht, nicht in der Frontalansicht auf. Diese Ergebnisse suggerieren, dass Autos in der Frontalansicht nicht wie Gesichter verarbeitet werden. Diese Studie liefert einen ersten Hinweis dafür, dass auch Autos in der Frontalansicht als Kontrollstimuli in Studien der Gesichterwahrnehmung geeignet sind.

Projektteam: Weiland, Nordt, Sommer, Meissner, Semmelmann, Weigelt

- Die Erhebung für CARIN ist vorläufig abgeschlossen.
- Wir haben CARIN als Abstract für den 49. DGPs Kongress 2014 in Bochum eingereicht.



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DESOPE

Entwicklung der Wiedererkennung sozialer Stimuli bei 9- und 10-jährigen Kindern und jungen Erwachsenen

Die Fähigkeiten, verschiedene Menschen erkennen und unterscheiden zu können, gehören zu den Schlüsselfähigkeiten unseres Soziallebens. Forschung, die sich mit der Entwicklung dieser Prozesse beschäftigt, bezieht sich bisher vor allem auf die Erkennung von Gesichtern als soziale Stimuli. Jedoch ist wenig darüber bekannt, wie sich die Erkennungsprozesse anderer sozialer Stimuli, z.B. Körper, entwickeln. Diese Studie zielte darauf ab, entwicklungsbedingte Effekte bei Gedächtnis- und Wahrnehmungsprozessen in Bezug auf unterschiedliche soziale Stimuli (Gesichter, Körper) im Vergleich zu nicht-sozialen Stimuli (Autos) zu untersuchen. Des Weiteren wurde untersucht, ob Geschlechtsunterschiede wie sie in der Gesichtserkennung zu finden sind, sich auch in der Körperwahrnehmung widerspiegeln. Wir untersuchten 21 neun- bis zehnjährige Kinder und 43 Erwachsene in zwei „two-alternative-forced-choice“ (2AFC) Tablet-Aufgaben, jeweils eine für Gedächtnis- und eine für Wahrnehmungsleistungen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Wahrnehmungsleistung in allen Stimulus-Kategorien ins Erwachsenenalter hinein verbessert hat. Bezüglich der Gedächtnisleistung konnte nur für Gesichter ein ähnlicher Effekt gezeigt werden, während es für Körper und Autos keine Altersunterschiede gab. Dennoch konnten hierbei keine signifikanten Effekte gefunden werden, ob sich die Gedächtnisleistung von verschiedenen sozialen Stimuli (Gesichter und Körper im Vergleich) ähnlich oder verschieden entwickelt. Aufgrund dessen kann diese Studie keine neuen Ergebnisse hinsichtlich der bestehenden widersprüchlichen Befundlage zur Entwicklung von sozialem Gedächtnis liefern, was mehr Forschung in diesem Feld nötig macht. Hinsichtlich der Geschlechtsunterschiede konnte nur ein Unterschied auf Ebene der Körpererkennung gezeigt werden. Hierbei konnten männliche Körper, unabhängig von Alter und Geschlecht der Probanden, besser erinnert werden.

Projektteam: Mount, Nordt, Weigelt


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DEVEX

Extinktionslernen bei Kleinkindern

Die Studie hatte zum Ziel, Extinktionslernen und den Renewal-Effekt in den Entwicklungsphasen Frühes Säuglingsalter und Kindheit zu untersuchen.
In Studie 1 wurde ein Paradigma auf einem Touch Tablet präsentiert, in welchem Ballons zerplatzt werden sollten. Das Paradigma bestand aus 3 Phasen: Akquisition, Extinktion und Renewal. Es wurden 68 Kleinkinder in 3 Altersgruppen (12-24 Monate, 25-36 Monate & 37-42 Monate) und 16 Erwachsene getestet. Abbrecherquoten, innerhalb des Paradigmas angepasste Parameter, Reaktionszeiten und die bisherige Erfahrung mit Tablets wurden analysiert, um die Realisierbarkeit der Aufgabe in der getesteten Altersgruppe zu belegen. Es zeigte sich, dass die Zeit bis zur Extinktion sich mit steigendem Alter verringerte. Allerdings unterschied sich die Rate der falschen Alarme zwischen den 36 Monate alten Kindern und den Erwachsenen nicht mehr. Der vermutete quantitative Wechsel zwischen Löschung und Inhibition, der durch einen dadurch, dass der Renewal-Effekt nur bei über 24-monatigen Kindern angezeigt worden wäre, wurde nicht gefunden.
In Studie 2 wurde ein semantischen Bild-Priming-Paradigma mit zwei Zweitklässlern durchgeführt. Beide haben das Lesen und Schreiben in Deutschkursen mit dem Lehrbuch Tinto gelernt, welches den „Lesen durch Schreiben“-Ansatz wählt (Reichen, 1988). Ein vorher bereits durchgeführtes Interviewergab, dass ungefähr 40% aller Grundschulklassen in Bochum dieses Lehrbuch verwenden. Während der Priming-Aufgabe wurden richtige, falsche und individuell falsche Wörter präsentiert. Individuell falsche Wörter sind solche, die in der Schule gelernt werden und für bis zu zwei Jahre nicht orthographisch korrigiert werden. ERP-Daten (genauer: die Daten von P300 und N400) ließen vermuten, dass individuell falsche Wörter semantisch eher mit dem Prime verwandt waren als falsche Wörter. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Wörter aufgrund der verspäteten orthographischen Korrektur auf neuronaler Basis repräsentiert sind.

Projektteam: Terwiel, Weigelt


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EMOCK

Entwicklung und Evaluation eines Mock-Scanner Trainings für Kinder

Eine wichtige Methode in der Neuropsychologie ist die (funktionelle) Magnetresonanztomographie, kurz (f)MRT. In der Forschung mit Erwachsenen ist sie weit verbreitet, da sie gute räumliche und zeitliche Auflösung bietet und nicht invasiv ist. In der entwicklungspsychologischen Forschung hingegen wird (f)MRT kaum verwendet, da Kinder durch die ungewohnte Situation und die Enge des MRT-Gerätes eingeschüchtert und gestresst werden könnten. Es wurden bereits einige Trainings für Kinder entwickelt, um sie an das MRT-Gerät und den Prozess zu gewöhnen. Diese werden auch bereits seit einigen Jahren eingesetzt. Einige dieser Trainings beinhalten einen sog. Mock-Scanner, ein Übungsgerät, das wie ein echtes MRT-Gerät aussieht, jedoch keinerlei Technologie enthält. Im Rahmen dieses Studienvorhabens wird ein Mock-Scanner-Training - aufbauend auf drei schon verwendeten Trainings - entwickelt. Zudem wird eine Evaluation dieses Trainings unter experimentellen Bedingungen durchgeführt, was in der bisherigen Literatur noch nicht zu finden war. Dazu werden Kinder von 4 bis 10 Jahren in eine Experimentalgruppe (EG) und eine Kontrollgruppe (KG) aufgeteilt. Beide Gruppen erhalten das Training und einen Pseudo-Scan in dem Mock-Scanner, in jeweils unterschiedlicher Reihenfolge. Dabei werden zu verschiedenen Zeitpunkten Indikatoren für das Stresslevel, in Form eines Fragebogens (ISAAC) und Speichelkortisol, und für die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, durch Speichel-Alpha-Amylase und die Herzrate, gemessen. Zudem wird bei dem Pseudo-Scan die Kopfbewegung der Kinder gemessen.

Projektteam: Weiland, Weigelt


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ENTI

Entwicklung der interhemisphärischen Interaktion in unterschiedlichen Sinnesmodalitäten bei Grundschulkindern

Visuelle Funktionen, die interhemispherischen Transfer benötigen, weisen einen langen Entwicklungsverlauf bis zum Alter von 12 Jahren auf. Dies könnte an die Reifung des Corpus Callosum gebunden sein. In dieser Studie haben wir elektrophysiologische und behaviorale crossed-uncrossed-Unterschiede (CUD) in einem visuellen Poffenberger-Paradigm. zur Einschätzung der interhemisphärischen Transferzeit (IHTT) – ein Maß der Reifung des Corpus Callosum – bei 7-jährigen Kindern und Erwachsenen genutzt. Ergebnisse zeigen, dass die elektrophysiologischen CUDs der Erwachsenenschneller waren als die der 7-Jährigen. Behaviorale CUDs zeigten keine Unterschiede und erwiesen sich in einem 6-Monate-Follow-Up Test als nicht reliabel. Diese Befunde weisen darauf hin, dass sich das Corpus Callosum im Alter von 7 Jahren noch immer einer Entwicklung unterzieht und nur mit neurowissenschaftlichen Methoden zuverlässig untersucht werden kann.

Projektteam: Meissner, Weigelt
Kooperation mit: Erhan Genc, Biopsychology, RUB

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Tracking the functional development of the corpus callosum in children using behavioral and evoked potential interhemispheric transfer times" im Journal Developmental Neuropsychology publiziert.


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FACETOUCH

Das Gesichtergedächtnis bei Kindergartenkindern - Entwicklung eines Verhaltensparadigmas mit Hilfe von Touch-Tablets

Die Verarbeitung von Gesichtern ist in der Kognitionspsychologie ein häufig untersuchtes Phänomen. Dabei bleibt die Betrachtung der Entwicklung im Kindergartenalter aufgrund von fehlenden altersgerechten Methoden bislang weitestgehend außen vor. Die vorliegende Studie stellt ein neues Verhaltensparadigma an Touch-Tablets, speziell für die Untersuchung des Gesichtergedächtnisses in dieser Altersgruppe (zwei bis fünf Jahre), vor. Achtzig Kinder wurden in ihrer Gedächtnisleistung für die Kategorien Autos und Gesichter getestet, indem zunächst je sechs Bilder pro Kategorie in einer Sortieraufgabe gelernt und im Anschluss in einer „Two-Alternative-Forced-Choice“ Aufgabe im Vergleich zu einem neuen Bild wiedererkannt werden mussten. Das Paradigma erwies sich für die drei- bis fünfjährigen Kinder sowohl vom kognitiven Verständnis der Aufgabe als auch von der Schwierigkeit her als sehr geeignet, während es für Zweijährige als zu schwierig zu beurteilen ist. Die Daten zeigen einen Anstieg der Gedächtnisleistung für die Kategorien im Altersverlauf, wobei dieser Anstieg für die Geschlechter verschieden ist. Gesichter wurden generell besser erinnert. Dennoch ergaben die Analysen keine Interaktion des Alters und der Kategorie, sodass nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Entwicklung des Gesichtergedächtnisses sich von der des Objektgedächtnisses unterscheidet. Die vorliegenden Daten bereichern die bisherigen Untersuchungen des Gesichtergedächtnisses um die Altersspanne des Kindergartenalters und weisen durch ihre nur partielle Übereinstimmung zu anderen Studien auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin.

Projektteam: Sommer, Nordt, Weigelt


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FAVIDE

Die Entwicklung des Gesichtergedächtnisses: Eine Frage des Blickwinkels

Die Frage, wann im Entwicklungsverlauf die Gesichtsverarbeitungsfähigkeit reift, ist Thema einer laufenden Debatte. Ein Aspekt dieser Debatte ist die Fähigkeit, Gesichter in und zwischen verschiedenen Perspektiven hinweg zu erkennen. In dieser Studie wurden 128 Probanden in zwei Experimenten getestet, bestehend aus Schulkindern (5-10 Jahre) und Erwachsenen (19-37 Jahre), um den Effekt verschiedener Perspektiven (Frontal-, Dreiviertel- und Profilansicht) auf die Gesichtserkennung während der Entwicklung zu untersuchen. Außerdem wurde die Wiedererkennungsleistung für Gesichter mit der einer anderen Objektkategorie (Autos) verglichen. Im ersten Experiment (n = 88) untersuchten wir ob das Muster der Performanz bei Gesichtern in verschiedenen Ansichten bei Kindern und Erwachsenen gleich ist. Dafür wurden die Probanden mit einer „Two-alternative-forced-choice“- (2AFC; die Probanden müssen sich für eine von zwei Alternativen entscheiden) Gedächtnisaufgabe getestet. Diese beinhaltete Bilder von Gesichtern und Autos in Frontal-, Dreiviertel- und Profilansicht, welche in Lern- und Testphase jeweils in derselben Ansicht präsentiert wurden. Im zweiten Experiment (n = 40) wurde untersucht, ob die Gesichtswiedererkennung bei Kindern und Erwachsenen gleichermaßen von Veränderungen in der Ansicht beeinflusst wird. In diesem Experiment beinhaltete die 2AFC-Gedächtnisaufgabe eine Veränderung der Ansicht zwischen Lern- und Testphase. In beiden Experimenten wurde eine mit steigendem Alter bessere Wiedererkennungsleistung für Gesichter gefunden. Das generelle Muster der Effekte von Ansicht und Veränderung der Ansicht unterschied sich jedoch nicht zwischen den Altersgruppen. Im Gegensatz zu Gesichtern wurden bei den Autos keine Effekte durch die Ansicht gefunden (Experiment 1). Die Effekte der Veränderung der Ansicht waren dagegen bei Gesichtern und Autos die gleichen (Experiment 2). Insgesamt deuten unsere Ergebnisse auf eine frühe Reifung der Gesichtswiedererkennungsfähigkeit innerhalb und zwischen verschiedenen Ansichten hin.

Projektteam: Nordt, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Face recognition is similarly affected by viewpoint in school-aged children and adults" im Journal PeerJ publiziert.


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Hats & Glasses

Der Einfluss von gesichtsnahen Reizen auf das Gesichtergedächtnis bei 4- bis 8-jährigen Kindern

Das Erkennen und Erinnern von Gesichtern spielt eine wichtige Rolle für soziale Interaktionen. Oft sieht man aber nicht nur das Gesicht an sich, sondern auch sogenannte gesichtsnahe Reize. Hierbei kann es sich um Hüte, Brillen oder Schals handeln, die die Erinnerung an ein Gesicht beeinflussen können.

In unsere Studie „Hats and Glasses“ haben wir Kinder zwischen vier und neun Jahren und Erwachsene mit einer Gedächtnisaufgabe an einem Tablet-Computer getestet. In der Gedächtnisaufgabe lernten die Probanden zunächst bestimmte Gesichter, indem sie diese nach dem Geschlecht sortierten. Danach wurden ihnen immer zwei Gesichter nebeneinander gezeigt. Die Probanden mussten entscheiden, welches der Gesichter sie bereits in der Sortieraufgabe gesehen hatten. Manchmal wurde den Gesichtern ein gesichtsnaher Reiz (Hut oder Brille) nach der Sortieraufgabe abgenommen, aufgesetzt oder ausgetauscht.

Mit dieser Aufgabe konnten wir herausfinden, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene von den gesichtsnahen Reizen beeinflusst wurden. Man kann eine Brille oder einen Hut demnach nicht einfach ausblenden. Manchmal können gesichtsnahe Reize aber auch hilfreich sein: Die Probanden konnten Gesichter besser wiedererkennen, wenn sie durchgängig den gleichen Hut oder die gleiche Brille trugen. Wenn man die gesichtsnahen Reize aber verändert wurden, war es schwieriger, ein Gesicht wiederzuerkennen. Wenn die Aufgabe mit Brillen durchgeführt wurde, war es für Kinder und Erwachsene schwieriger, die Personen wiederzuerkennen. Das könnte daran liegen, dass eine Brille die Augen verdeckt. Außerdem werden Brillen in der Regel seltener getauscht als Hüte, weshalb man sich mehr an einer Brille orientiert, um einen Menschen wiederzuerkennen.


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INVERSI

Rechts herum und links herum: Wie gut werden gedrehte Gesichter erinnert?

Gesichter spielen für uns Menschen im Alltag eine wichtige Rolle, von der Unterscheidung einzelner Personen bis hin zur Erkennung von Stimmung und Emotionen. In der bisherigen Forschung zur Gesichtserkennung wurde festgestellt, dass es Menschen leichter fällt, aufrechte Gesichter zu erkennen und wiederzuerkennen als invertierte Gesichter (also um 180° gedrehte Gesichter). Dieser Effekt nennt sich der Gesichts Inversions-Effekt. Allerdings wurde bisher kaum erforscht, wie gut Gesichter erinnert werden, die nur um 90° gedreht wurden und in wie weit es einen Unterschied zwischen nach links und nach rechts gedrehten Gesichtern gibt. Hier setzt die vorliegende Studie an, indem sie der Frage nachgeht, wie gut die Erinnerungsleistung von um 90 Grad gedrehten Gesichtern im Vergleich zu aufrechten und invertierten Gesichtern bei jungen Erwachsenen im Alter von 20-23 Jahren ist und in wie weit ein Zusammenhang zur Leserichtung besteht.

Projektteam: Rosenthal, Weigelt


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KENNIDI

Perspektivenabhängige Gesichtsdetektion im Kindergartenalter, mit einem Touch-Tablet Paradigma untersucht

Gesichter sind essentiell für das menschliche Sozialleben, da sie viele sozial relevante Informationen wie das Geschlecht und die Emotion einer Person widerspiegeln. Das Gesichtergedächtnis und die Gesichterwiedererkennung wurde hierbei schon weitreichend erforscht. Jedoch ist bisher wenig über die Gesichtererkennung per se bekannt, welche eine Vorbedingung für jede weitere Verarbeitung darstellt. Deshalb wurde in der vorliegenden Studie die Entwicklung der Gesichtererkennung von 102 Kindergartenkindern (2-5 Jahre) mithilfe von Touch-Tablets untersucht. Eine komplexe visuelle Suchaufgabe, die die Erkennungsleistung von Autos und Gesichtern untersucht, wurde verwendet. Es wurde herausgefunden, dass die Erkennungsleistung von Gesichtern und Autos mit dem Alter zunahm, wobei die Gesichtererkennung nicht stärker zunahm, sondern allgemein einen großen Vorteil gegenüber der Erkennung von Autos aufwies. Des Weiteren wurde auch der Einfluss des Perspektive untersucht. Hierbei konnte kein Unterschied in der Erkennung von Gesichtern in Frontal- und Profilansicht gefunden werden. Jedoch wurden Autos in Profilansicht von allen Altersgruppen signifikant langsamer erkannt. Diese Ergebnisse decken sich teilweise mit bisheriger Forschung zur Gesichtererkennung, wo auch Erwachsene einen Gesichtervorteil in der Erkennung zeigten. Im Gegensatz zu unseren Ergebnissen, zeigten hier Erwachsene jedoch einen Vorteil von Frontal- gegenüber Profilansicht bei der Erkennung von Gesichtern, der in der vorliegenden Studie nur bei Autos gefunden werden konnte.

Projektteam: Prüfer, Meissner, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Development of Face Detection in Preschool Children" im Journal International Journal of Behavioral Development akzeptiert.


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PORTALS

Training räumlicher Fähigkeiten durch Videospiele

Gegenüber der nach wie vor schwelenden Debatte über Zusammenhänge zwischen Aggression und Videospielen wächst das Wissen um deren Potenzial, wortwörtlich „spielend“ verschiedene kognitive Fähigkeiten zu verbessern. So ist die förderliche Wirkung von Actionspielen auf eine große Bandbreite an Aufmerksamkeitsfunktionen mittlerweile vielfach belegt. Seit kurzem rücken auch andere Spieltypen und ihre Wirkung auf andere kognitive Fähigkeiten in den Fokus der Forschung – so gibt es erste Befunde zum Training räumlicher Fähigkeiten (wie z.B. mentaler Rotation oder räumlicher Navigation) durch 3D-Puzzlespiele.
Diese Studie untersucht eben diesen Zusammenhang mittels eines insgesamt achtstündigen Trainings am beliebten 3D-Puzzlespiel „Portal“. Erkenntnisse aus dieser und ähnlichen Studien können dabei helfen, den in herkömmlichen Videospielen unabsichtlich erreichten kognitiven Trainingseffekten auf den Grund zu gehen – und auf Basis dieser Erkenntnisse zum Beispiel Interventionsmethoden bei kognitiven Entwicklungsstörungen oder kognitiven Defiziten (nicht nur für Kinder!) zu entwickeln, die nicht nur helfen, sondern dabei auch noch gern durchgeführt werden.

Projektteam: Nolte, Weigelt


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TOL - The Online Lab

Ist das Internet geeignet für psychologische Forschung?

Die Verwendung des Internets zur Erhebung von behavioralen Daten verbreitet sich momentan immer mehr. Trotzdem sind einige grundlegende Fragen zur Machbarkeit dieser Online-Psychophysik noch nicht beantwortet. Ziel dieser Studie war die Replikation von fünf gut bekannten Paradigmen in der experimentellen Psychologie (Stroop, Flanker, visuelle Suche, maskiertes Priming, Attentional Blink) in drei Bedingungen (klassisches „Labor“, „Web-im-Labor“, „Web“). So konnten potenzielle Unterschiede durch Technologie und Umgebung untersucht und unterschieden werden. „Labor“- und „Web-im-Labor“-Daten wurden beide in einer Laborumgebung mit „Goldstandard“-Methoden erhoben, bei „Web-im-Labor“ wurde jedoch Web-Technologie verwendet. Diese Unterscheidung erlaubte es, potenzielle Effekte von unterschiedlichen Softwares direkt zu vergleichen. Um zusätzliche mögliche Umgebungsunterschiede zu untersuchen, wurden die Experimente mit Web-Technologie online gestellt („Web“), damit Probanden von zuhause aus teilnehmen konnten. „Web-im-Labor“ und „Web“ unterschieden sich somit nur im Hinblick auf ihre Umgebung, während die Technologie dieselbe war. Folgende Hauptergebnisse wurden gefunden:
1) Wie erwartet wurde eine feste additive Übertragungszeitverschiebung durch Verwendung der Web-Technologie („Web-im-Labor“; M = 37 ms, SD = 8.14) sowie die zusätzliche online-Datenaufnahme („Web“; M = 87 ms; SD = 16.04) im Vergleich zu Labordaten gefunden („Labor“)
2) Bis auf die des Priming-Paradigmas konnten alle aufgabenspezifischen Effekte in allen drei Bedingungen repliziert werden. Die Effekte des Priming-Paradigmas konnten in keiner Bedingung repliziert werden.
3) Es wurden keine Unterschiede in Fehlerraten gefunden, welche unabhängig von der Übertragungszeitverschiebung sind.
4) Der Browsertyp könnte die absoluten Reaktionszeiten beeinflussen.
Insgesamt sind diese Ergebnisse ein wichtiger Beitrag zu den langsam, aber stetig mehr werdenden Belegen, dass Online-Psychophysik eine geeignete Ergänzung - oder sogar Ersatz - zur Datenerhebung im Labor sind.

Projektteam: Semmelmann, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Online psychophysics: reaction time effects in cognitive experiments" im Journal Behavior Research Methods publiziert.


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TOLbam - The Online Lab: Baby Cam

Online-Experimente gewinnen als neue Methode zur Datenaufnahme in der Psychologie mehr und mehr an Bedeutung. Sie ermöglichen eine einfache, schnelle, umfassende und preisgünstige Aufnahme von Daten vom Zuhause der Versuchsteilnehmer aus. Um den schon existierenden Möglichkeiten eine weitere hinzuzufügen, haben wir neue Entwicklungen in Webtechnologien verwendet, um die technische Realisierbarkeit von online HTML5/JavaScript-basierter Videodatenaufnahme zu überprüfen. Dazu wurde eine preferential looking-Aufgabe mit Kindern zwischen vier und 24 Monaten durchgeführt. Eltern und Kinder nahmen von zuhause aus durch einen dreistufigen Prozess teil: Als Erstes registrierten sich interessierte Eltern und nahmen über eine Webcam Bilder von sich selbst auf. Im zweiten Schritt bearbeiteten wir die Bilder und integrierten sie in das Experimentaldesign. Schließlich kamen die Teilnehmer zurück auf die Website und die Videodatenaufnahme erfolgte über ihre Webcam. Bezogen auf die Datenqualität musste kein Teilnehmer aufgrund der Bildrate der Webcam oder der Videoqualität ausgeschlossen werden. Nur 7% der Daten wurden wegen behavioraler Faktoren (fehlende Konzentration) ausgeschlossen. Bezogen auf die Ergebnisse zeigte die Interraterreliabilität bei der Blickrichtung (links/rechts) eine hohe Übereinstimmung zwischen den Ratern, Fleiss‘ Kappa κ = 0.97. Dies bedeutet eine ausreichende Datenqualität für weitere Analysen. Bezüglich der Aufmerksamkeitsverteilung auf den und weg vom Bildschirm stellten wir fest, dass Kinder bei einer statischen Bildpräsentation von 60 Sekunden Gesamtexperimentalzeit circa 10 Sekunden nach Beginn eines Trials das Interesse am Bildschirm verloren. Zusammengenommen konnten wir zeigen, dass online-Videodatenaufnahme für die Entwicklungspsychologie und darüber hinaus möglich und praktikabel ist.

Projektteam: Semmelmann, Hönekopp, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Looking Tasks Online: Utilizing Webcams to Collect Video Data from Home" im Journal Frontiers in psychology publiziert.


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