Projekte

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Projekte aus unserer Arbeitseinheit, die bereits abgeschlossen sind, finden Sie hier

 

Folgende Projekte laufen momentan in unserer Arbeitseinheit oder werden in Kürze realisiert:

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DEVEX

Extinktionslernen bei Kleinkindern

In diesem Projekt geht es darum, herauszufinden ab welchem Alter Kinder dazu in der Lage sind zuvor erlernte Verhaltensweisen wieder zu verlernen und sich an Verlerntes zu erin-nern, dies nennt man Extinktions- und Renewal-Lernen. Die Fähigkeit erlernte Verhaltens-weisen anzupassen oder gegebenenfalls komplett zu verlernen, wenn diese nicht zum ange-strebten Ziel führen oder unangemessen sind, spielt eine entscheidende Rolle in unserem Alltag. So ist es zum relevant, dass bereits kleine Kinder erlerntes Verhalten, wie das Dau-menlutschen wieder verlernen können um dem Alter angemessene Beruhigungsmechanis-men zu erlernen.
Während bei Erwachsenen die Fähigkeit zum Extinktionslernen schon vollständig ausgebildet ist, unterliegt diese in der Kindheit noch starken Entwicklungsprozessen. Bisher gab es weni-ge Möglichkeiten, diese Entwicklungsprozesse bereits im Kleinkindalter zu erforschen. Wir haben nun einen neuen Verhaltenstest entwickelt, mit dem an Touch-Tablets spielerisch das Extinktionslernen bereits bei Kleinkindern untersuchen kann. Hierbei handelt es sich um eine Aufgabe, bei der bereits 1-3 Jährige Kinder mit dem Finger aufsteigende Ballons auf dem Tablet zerplatzen können. Durch Veränderung von Kontext, Geschwindigkeit, Größe und Zer-platzbarkeit der Ballons, können wir so Entwicklungsunterschiede im Extinktionslernen, altersangemessen untersuchen.

Projektteam: Terwiel, Weigelt


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FAREPI

Unterschiede in der Gesichtswiedererkennung zwischen realen und piktoralen Gesichtern bei Kindern und Erwachsenen

Die aktuelle Studie beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit die in der entwicklungspsychologischen Forschung erarbeiteten Befunde zur Gesichtswiedererkennung, welche in erster Linie Fotos von Gesichtern als Stimuli verwenden, auf reale Situationen übertragbar sind. Zu den entwicklungspsychologischen Befunden gehört, dass das Gesichtergedächtnis bei Kindern vor dem Alter von 10 noch nicht so entwickelt ist wie bei Erwachsenen (Weigelt et al, 2010) und dass Frauen besser Gesichter wiedererkennen können als Männer (Rehnmann & Herlitz, 2007). Von Duchaine & Nakayama wurde 2006 weiterhin der Cambridge Face Memory Test (CFMT) als standardisierter Test zur Messung Gesichtswiedererkennungsleistung entwickelt. Dieser verwendet ebenfalls Fotos von Gesichtern als Stimuli. Die Befunde von Snow, Skiba, Coleman, & Berryhill (2014) zeigen jedoch, dass der Abruf und die Wiedererkennung real dargebotener Objekte signifikant besser ist als der piktorial dargebotener Objekte. Aus diesem Grund kann die Übertragbarkeit von Ergebnissen zur piktorialen Gesichtsverarbeitung auf die reale Gesichtsverarbeitung nicht als gegeben angenommen werden. Dies soll in der aktuellen Studie untersucht werden. Um eine reale Situation zu erzeugen, in welcher die Gesichtswiedererkennungsfähigkeit eine Rolle spielt, wurde eine sequentielle polizeiliche Gegenüberstellung simuliert, in welcher die 49 Probanden (29 Kinder im Alter von fünf bis acht Jahren, 20 Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren) einen eine Woche zuvor gesehenen Täter unter zusätzlich vier anderen Verdächtigen identifizieren sollten. Anschließend führten die Probanden den CFMT durch. Auf Basis der entwicklungspsychologischen Befunde wird davon ausgegangen, dass 1) erwachsene Probanden signifikant besser in der Täteridentifikation sind als Kinder, dass 2) weibliche Probanden signifikant besser in der in der Täteridentifikation sind als männliche Probanden, und dass 3) die Leistung im CFMT mit der Leistung in der Täteridentifikation positiv zusammenhängt.

Projektteam: Dette, Diel, Müller, Weigelt


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SCENEPRO

Entwicklung der szenenselektiven Gehirnregionen zwischen Kindheit und Erwachsenenalter

In dieser Studie untersuchen wir die Entwicklung der Hirnregionen, die speziell für die Verarbeitung von Szenen (z.B. Landschaften, Häuser, etc.) zuständig sind. Die Entwicklung dieser Hirnregionen und deren Verbindung untereinander kann möglicherweise Aufschlüsse darüber geben, wie sich die Szenenverarbeitung und andere, davon abhängige Prozesse – wie z.B. der Orientierungssinn – entwickelt/entwickeln. Um die Entwicklung der entsprechenden Hirnareale zu untersuchen, haben wir verschiedene Aufgaben entwickelt, die während einer funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) bearbeitet werden. Unsere Teilnehmer/Teilnehmerinnen sehen Szenen oder Objekte (als Vergleich; z.B. Telefon, Gießkanne) und müssen Fragen beantworten wie "Kam das gleiche Bild zweimal hintereinander? Hast du ein grünes Kreuz im Bild entdeckt?". Außer den Aufgaben können unsere Teilnehmer/Teilnehmerinnen auch ganz entspannt kurze Videos schauen oder einfach mal nichts tun und nur im MRT-Scanner liegen. 40 sieben- bis achtjährige und 40 elf- bis zwölfjährige sowie 20 Erwachsene werden an der Studie teilnehmen. Alle Kinder werden vor der eigentlichen fMRT-Messung an einem separaten Termin im Trainingsscanner spielerisch auf die Messung vorbereitet.

Projektteam: Meissner, Weigelt

Wir haben SCENEPRO beim VSS Annual Meeting 2017 und SfN Annual Meeting 2017 als Abstract eingereicht und in Posterform präsentiert.


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VISTAD

Unabhängige Einflüsse von visuell-räumlicher und zeitlicher Aufmerksamkeit auf LRS

Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) wird definiert als kognitive Dysfunktion, die – bei normaler Intelligenz und adäquaten Möglichkeiten zum Lesen lernen – den Erwerb der Schriftsprache negativ beeinflusst. Die vielfältigen Symptome der LRS beeinflussen jeden Betroffenen unterschiedlich, Kerndefizite zeigen sich aber vor allem in Schwierigkeiten mit fehlerfreiem oder fließendem Lesen und Schreiben.
Bisherige Forschung konnte zeigen, dass Kinder vor dem Lesealter mit einem Risiko für LRS bereits visuelle Aufmerksamkeitsdefizite zeigen. Diese Defizite können genutzt werden, um zuverlässig vorherzusagen, welche Kinder eine LRS entwickeln werden. Des Weiteren wurde herausgefunden, dass ein nur 12- stündiges Aufmerksamkeitstraining mit einem Videospiel die Lesefähigkeiten bei LRS-Kindern signifikant steigern kann.
Derzeit existiert noch kein einziger verlässlicher diagnostischer Test oder Leseförderungsprogramm; das heißt auch wenn Kinder korrekt mit LRS diagnostiziert werden, kann es sein, dass die vorhandenen Lese-Interventionen die Lesefähigkeit nicht steigern.
In diesem Projekt wollen wir herausfinden, ob Personen mit LRS in einer, mit visueller Aufmerksamkeit verknüpften Aufgabe, eine andere Leistung als Kontrollpersonen zeigen. Um diese Frage zu untersuchen, haben wir die Reaktionszeiten und Genauigkeit von 10 Personen mit LRS und 10 Kontrollpersonen in einer Wort-Leseaufgabe und einer visuellen Aufmerksamkeitsaufgabe am Computer analysiert. Zusätzlich haben wir die unabhängige n Einflüsse der von räumlichen und zeitlichen Hinweisreizen auf unsere Aufgabe untersucht. Die Erkenntnisse daraus könnten die Wirksamkeit der aktuellen Interventionen verbessern und es ermöglichen, präventive Interventionen für Kinder vor dem Lesealter mit einem Risiko für LRS zu entwickeln.

Projektteam: Obreiter, Weigelt


Abgeschlossene Projekte

Folgende Projekte wurden bereits in unserer Arbeitseinheit realisiert.

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BODYBANK

Die Erstellung und Evaluation einer Datenbank für Körperstimuli

Der Körper ist ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Er lässt uns nicht nur verschiedene physische Tätigkeiten, basierend auf unserer körperlichen Konstitution verrichten, sondern hilft uns ebenfalls in unterschiedlichen sozialen Situationen. Der Körper ermöglicht uns, den gesundheitlichen Status und das emotionale Befinden des Gegenübers zu erkennen. Außerdem ermöglicht er es uns, ähnlich wie bei dem Gesicht, einen Menschen besser einzuschätzen und zu klassifizieren, auch ohne sozialen Kontext. Bisher gibt es nur Datenbanken für Körperphotographien und künstlich - generierten Körpern von Erwachsenen. Für viele körperbezogene Störungen im Jugendalter (z.B. Essstörungen) werden diese Datenbanken benutzt. Allerdings würden sich Photographien von Jugendlichen besser eignen, um mit Jugendlichen zu arbeiten, da diese sich mit Gleichaltrigen eher identifizieren können – je ähnlicher man sich ist, desto höher ist die Identifikation. Daher wäre mit dieser neuen Datenbank weitergehende, verbesserte Forschung möglich. Bei der vorliegenden Studie wird eine Datenbank mit bekleideten Körperphotographien von Kindern und Jugendlichen erstellt und durch Studierende hinsichtlich verschiedener Aspekte (Alter, Geschlecht, Attraktivität etc.)evaluiert.


Projektteam: Franke, Polesch, Weigelt


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BRAINDEV

Die Entwicklung kategorieselektiver Gehirnregionen bei Kindern und Jugendlichen

Im Forschungsprojekt „Die Entwicklung kategorieselektiver Gehirnregionen bei Kindern und Jugendlichen“ soll ein tieferes Verständnis der kindlichen Wahrnehmung und Gehirnentwicklung erreicht werden. In einem zentralen Aspekt der visuellen Wahrnehmung, nämlich der sozialen Wahrnehmung von Gesichtern, werden die neurophysiologischen Grundlagen untersucht, die mit Daten aus Verhaltensexperimenten über die Entwicklung der Fähigkeit zur Differenzierung verschiedener Gesichtern assoziiert sind. Wie wir in einer soeben zur Publikation akzeptierten Studie zeigen konnten, zeigt sich auf Verhaltensebene ein rasanter Lernfortschritt im Gesichtergedächtnis in der Altersspanne von 5 bis 10 Jahren (Weigelt et al. (2014) „Domain-specific development of face memory, but not face perception“, Developmental Science). Fünfjährige Kinder können sich verschiedene, aber ähnliche Gesichter nur sehr schlecht merken, zehnjährige Kinder dagegen erbringen fast die gleiche Leistung wie Erwachsene. Das Forschungsprojekt verfolgt die Hypothese, dass im Laufe der Kindheit eine Ausdifferenzierung von Nervenzellverbänden in den für die Gesichterwahrnehmung zuständigen Gehirnregionen stattfindet. Diese Ausdifferenzierung lässt sich mit dem Verfahren der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), speziell mit der fMRT-Adaptation, darstellen. Da die fMRT-Adaptation bislang nur bei erwachsenen Versuchspersonen eingesetzt wurde, ist ein Meilenstein im vorgeschlagenen Forschungsprojekt die Entwicklung und Validierung eines kindgerechten fMRT-Adaptationsparadigmas.

Projektteam: Nordt, Meissner, Semmelmann, Weiland, Sommer, Weigelt


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CARIN - Car Inversion

Sind Autos in Gesichtserkennungs-Aufgaben als Kontrollstimuli geeignet?

Um die Gesichterwahrnehmung mit der Objektwahrnehmung zu vergleichen, werden oftmals Autos als Kontrollreize verwendet. Meist werden die Gesichter in der Frontal- die Autos aber in der Seitenansicht gezeigt. Hintergrund für diese Praxis ist die bislang nicht empirisch untermauerte Vermutung, dass Autos in der Frontalansicht Gesichtern sehr ähnlich sehen und eventuell wie diese gesondert verarbeitet werden. In der vorliegenden Studie möchten wir diese Hypothese überprüfen, indem wir einen für die Gesichterwahrnehmung spezifischen Effekt - den Inversions-Effekt - bei Autos in Frontal- und Seitenansicht untersuchen. Der Inversions-Effekt zeigt, dass Gesichter, die aufrecht dargeboten werden, deutlich besser erkannt werden als Gesichter, die auf dem Kopf dargeboten werden. Dieser Effekt ist bei Gesichtern sehr viel stärker ausgeprägt als bei anderen Objekten. Es wurden 31 erwachsene Probanden (Alter 19 – 38 Jahre) mit Gedächtnistests in einem 2 x 2 x 2 faktoriellen Within-Subject-Design mit den Faktoren Objektkategorie (Auto, Gesicht), Perspektive (Frontalansicht, Profilansicht) und Orientierung (aufrecht, umgedreht) untersucht. Die Probanden bekamen zunächst die Aufgabe, sich 20 Reize (z.B. 10 Gesichter und 10 Autos) zu merken. Danach folgte der Abruf in Form eines 2-AFC-Tasks bei dem zwei Reize - ein alter und ein neuer Distraktorreiz - nebeneinander dargeboten werden und der Proband angeben muss, welchen der beiden er zuvor gesehen hat. Eine Varianzanalyse mit Messwiederholung zeigte 1) einen Haupteffekt der Perspektive, d.h. Items in der Frontalansicht werden besser erinnert als solche in der Seitenansicht 2) einen Haupteffekt der Orientierung, d.h. aufrechte Items werden besser erinnert als umgedrehte Items und 3) eine Interaktion zwischen der Kategorie und der Orientierung: Der Inversionseffekt ist bei Gesichtern wesentlich stärker als bei Autos (disproportionate inversion effect). Post-hoc t-Tests zeigten Inversionseffekte für Gesichter in den beiden Perspektiven Front- und Seitenansicht, bei Autos trat dieser Effekt nur in der Seitenansicht, nicht in der Frontalansicht auf. Diese Ergebnisse suggerieren, dass Autos in der Frontalansicht nicht wie Gesichter verarbeitet werden. Diese Studie liefert einen ersten Hinweis dafür, dass auch Autos in der Frontalansicht als Kontrollstimuli in Studien der Gesichterwahrnehmung geeignet sind.

Projektteam: Weiland, Nordt, Sommer, Meissner, Semmelmann, Weigelt

- Die Erhebung für CARIN ist vorläufig abgeschlossen.
- Wir haben CARIN als Abstract für den 49. DGPs Kongress 2014 in Bochum eingereicht.



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DESOPE

Entwicklung der Wiedererkennung sozialer Stimuli bei 9- und 10-jährigen Kindern und jungen Erwachsenen

Die Fähigkeiten, verschiedene Menschen erkennen und unterscheiden zu können, gehören zu den Schlüsselfähigkeiten unseres Soziallebens. Forschung, die sich mit der Entwicklung dieser Prozesse beschäftigt, bezieht sich bisher vor allem auf die Erkennung von Gesichtern als soziale Stimuli. Jedoch ist wenig darüber bekannt, wie sich die Erkennungsprozesse anderer sozialer Stimuli, z.B. Körper, entwickeln. Diese Studie zielte darauf ab, entwicklungsbedingte Effekte bei Gedächtnis- und Wahrnehmungsprozessen in Bezug auf unterschiedliche soziale Stimuli (Gesichter, Körper) im Vergleich zu nicht-sozialen Stimuli (Autos) zu untersuchen. Des Weiteren wurde untersucht, ob Geschlechtsunterschiede wie sie in der Gesichtserkennung zu finden sind, sich auch in der Körperwahrnehmung widerspiegeln. Wir untersuchten 21 neun- bis zehnjährige Kinder und 43 Erwachsene in zwei „two-alternative-forced-choice“ (2AFC) Tablet-Aufgaben, jeweils eine für Gedächtnis- und eine für Wahrnehmungsleistungen. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Wahrnehmungsleistung in allen Stimulus-Kategorien ins Erwachsenenalter hinein verbessert hat. Bezüglich der Gedächtnisleistung konnte nur für Gesichter ein ähnlicher Effekt gezeigt werden, während es für Körper und Autos keine Altersunterschiede gab. Dennoch konnten hierbei keine signifikanten Effekte gefunden werden, ob sich die Gedächtnisleistung von verschiedenen sozialen Stimuli (Gesichter und Körper im Vergleich) ähnlich oder verschieden entwickelt. Aufgrund dessen kann diese Studie keine neuen Ergebnisse hinsichtlich der bestehenden widersprüchlichen Befundlage zur Entwicklung von sozialem Gedächtnis liefern, was mehr Forschung in diesem Feld nötig macht. Hinsichtlich der Geschlechtsunterschiede konnte nur ein Unterschied auf Ebene der Körpererkennung gezeigt werden. Hierbei konnten männliche Körper, unabhängig von Alter und Geschlecht der Probanden, besser erinnert werden.

Projektteam: Mount, Nordt, Weigelt


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EMOCK

Entwicklung und Evaluation eines Mock-Scanner Trainings für Kinder

Eine wichtige Methode in der Neuropsychologie ist die (funktionelle) Magnetresonanztomographie, kurz (f)MRT. In der Forschung mit Erwachsenen ist sie weit verbreitet, da sie gute räumliche und zeitliche Auflösung bietet und nicht invasiv ist. In der entwicklungspsychologischen Forschung hingegen wird (f)MRT kaum verwendet, da Kinder durch die ungewohnte Situation und die Enge des MRT-Gerätes eingeschüchtert und gestresst werden könnten. Es wurden bereits einige Trainings für Kinder entwickelt, um sie an das MRT-Gerät und den Prozess zu gewöhnen. Diese werden auch bereits seit einigen Jahren eingesetzt. Einige dieser Trainings beinhalten einen sog. Mock-Scanner, ein Übungsgerät, das wie ein echtes MRT-Gerät aussieht, jedoch keinerlei Technologie enthält. Im Rahmen dieses Studienvorhabens wird ein Mock-Scanner-Training - aufbauend auf drei schon verwendeten Trainings - entwickelt. Zudem wird eine Evaluation dieses Trainings unter experimentellen Bedingungen durchgeführt, was in der bisherigen Literatur noch nicht zu finden war. Dazu werden Kinder von 4 bis 10 Jahren in eine Experimentalgruppe (EG) und eine Kontrollgruppe (KG) aufgeteilt. Beide Gruppen erhalten das Training und einen Pseudo-Scan in dem Mock-Scanner, in jeweils unterschiedlicher Reihenfolge. Dabei werden zu verschiedenen Zeitpunkten Indikatoren für das Stresslevel, in Form eines Fragebogens (ISAAC) und Speichelkortisol, und für die Aktivierung des sympathischen Nervensystems, durch Speichel-Alpha-Amylase und die Herzrate, gemessen. Zudem wird bei dem Pseudo-Scan die Kopfbewegung der Kinder gemessen.

Projektteam: Weiland, Weigelt


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ENTI

Entwicklung der interhemisphärischen Interaktion in unterschiedlichen Sinnesmodalitäten bei Grundschulkindern

Die beiden Hemisphären des menschlichen Gehirns arbeiten im Regelfall nicht unabhängig voneinander, sondern tauschen über das Corpus Callosum (CC) und andere Kommisuren permanent Information aus. Die sogenannte interhemisphärische Transferzeit (IHTT) kann dabei als Maß für den Austausch zwischen den Hemisphären betrachtet werden. Ziel der ENTI-Studie ist es, den interhemisphärischen Austausch in der mittleren Kindheit zu untersuchen, da bisherige Studien gezeigt haben, dass gerade zwischen 6-9 Jahren eine deutliche Reifung des CC stattfindet. Um der Hypothese nachzugehen, dass bestimmte Teile des CCs zu unterschiedlichen Zeitpunkten reifen, werden wir die IHTT modalitätsspezifisch, d.h. sowohl für den visuellen, auditiven und taktilen Sinn ermitteln. Es werden 40 gesunde Kinder im Alter von 6-9 Jahren ohne neurologische, visuelle oder auditive Defizite mit einer entsprechenden Testbatterie untersucht werden. Zum einen wird die IHTT für die drei Modalitäten mit Hilfe einer modifizierten Version des klassischen Poffenberger-Paradigmas (das für die Verwendung im EEG angepasst wurde) ermittelt. Darüberhinaus werden die Probanden/Probandinnen einen Hörtest und den Peg-Board Test durchführen, sowie das Edinburgh Handedness Inventory und den Waterloo Footedness Questionnaire ausfüllen. Zusätzlich werden die Kinder einen Intelligenztest und eine Motion-Quartet-Aufgabe am PC bearbeiten (ohne EEG-Ableitung). Die Studie ist als Längsschnittstudie mit zwei Messzeitpunkten geplant. Am zweiten Messzeitpunkt (fünf bis sieben Monate später) wird das EEG-Poffenberger-Paradigma und die Motion-Quartet-Aufgabe wiederholt, andere Tests finden nicht statt.

Projektteam: Meissner, Weigelt
Kooperation mit: Erhan Genc, Biopsychology, RUB

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Tracking the functional development of the corpus callosum in children using behavioral and evoked potential interhemispheric transfer times" im Journal Developmental Neuropsychology publiziert.


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FACETOUCH

Das Gesichtergedächtnis bei Kindergartenkindern - Entwicklung eines Verhaltensparadigmas mit Hilfe von Touch-Tablets

Die Verarbeitung von Gesichtern ist in der Kognitionspsychologie ein häufig untersuchtes Phänomen. Dabei bleibt die Betrachtung der Entwicklung im Kindergartenalter aufgrund von fehlenden altersgerechten Methoden bislang weitestgehend außen vor. Die vorliegende Studie stellt ein neues Verhaltensparadigma an Touch-Tablets, speziell für die Untersuchung des Gesichtergedächtnisses in dieser Altersgruppe (zwei bis fünf Jahre), vor. Achtzig Kinder wurden in ihrer Gedächtnisleistung für die Kategorien Autos und Gesichter getestet, indem zunächst je sechs Bilder pro Kategorie in einer Sortieraufgabe gelernt und im Anschluss in einer „Two-Alternative-Forced-Choice“ Aufgabe im Vergleich zu einem neuen Bild wiedererkannt werden mussten. Das Paradigma erwies sich für die drei- bis fünfjährigen Kinder sowohl vom kognitiven Verständnis der Aufgabe als auch von der Schwierigkeit her als sehr geeignet, während es für Zweijährige als zu schwierig zu beurteilen ist. Die Daten zeigen einen Anstieg der Gedächtnisleistung für die Kategorien im Altersverlauf, wobei dieser Anstieg für die Geschlechter verschieden ist. Gesichter wurden generell besser erinnert. Dennoch ergaben die Analysen keine Interaktion des Alters und der Kategorie, sodass nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Entwicklung des Gesichtergedächtnisses sich von der des Objektgedächtnisses unterscheidet. Die vorliegenden Daten bereichern die bisherigen Untersuchungen des Gesichtergedächtnisses um die Altersspanne des Kindergartenalters und weisen durch ihre nur partielle Übereinstimmung zu anderen Studien auf die Notwendigkeit weiterer Forschung hin.

Projektteam: Sommer, Nordt, Weigelt


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FAVIDE

Die Entwicklung des Gesichtergedächtnisses: Eine Frage des Blickwinkels

Die Fähigkeit Gesichter zu erkennen ist in unserem Alltag essenziell. Trotzdem sind viele Aspekte dieser Entwicklung noch weit davon entfernt, vollständig verstanden zu sein. In unserer Studie haben wir die Entwicklung des Gesichtergedächtnisses bei 6 bis 10 Jahre alten Kindern und Erwachsenen im Hinblick auf die Perspektive untersucht. Insgesamt haben wir 65 Personen mit drei „two-alternative-forced-choice“ (2AFC) Aufgaben untersucht. Die Aufgaben enthielten Gesichter und Autos entweder in einer Frontal-, Profil- oder Dreiviertelansicht. Kein Teilnehmer hat das gleiche Gesicht (oder Auto) mehrmals in den Aufgaben gesehen. Nachdem die Bilder in der Lernphase gesehen wurden, wurde den Teilnehmern in der Testphase ein bekanntes Gesicht (oder Auto) und ein neues Gesicht (oder Auto) präsentiert. Hierbei sollte das bekannte Bild identifiziert werden. Wir haben ein 3x2x6 Design mit dem Inner-Subjekt Faktor Perspektive (Front, Profil, Dreiviertel) und dem Zwischensubjektfaktor Alter (6, 7, 8, 9, 10 Jahre, Erwachsene) verwendet. Eine ANOVA mit Messwiederholung zeigte 1.) einen Haupteffekt des Alters, wobei ältere Probanden eine bessere Gedächtnisleistung aufwiesen; 2.) einen Haupteffekt der Perspektive und 3.) einen Trend für eine Interaktion zwischen Kategorie und Perspektive, welcher zeigt, dass die Einflüsse der Perspektive größtenteils von den Gesichtsdaten stammen, während bei den Autos keine systematischen Einflüsse der Perspektive gefunden werden konnten. Weitere Analysen ergaben, dass der Haupteffekt der Perspektive aufgrund der niedrigen Leistung bei Gesichtern in Profilansicht entstand. Dies spiegelt sich in einem signifikanten Unterschied der Gedächtnisleistung zwischen Dreiviertel- und Profilansicht bei Erwachsenen (t(13) = 3.68, p = .003) und in einem signifikanten Unterschied zwischen Front- und Profilansicht bei Kindern (t(50) = 2.89, p = .006) wider. Unsere Studie repliziert also bestehende Ergebnisse zu Effekten der Perspektive beim Gesichtergedächtnis von Erwachsenen und erweitert diese um eine Stichprobe mit Schulkindern. Des Weiteren stimmen unsere Ergebnisse mit anderen Studien überein, die zeigten, dass Kinder die Fähigkeit Gesichter in der Profilansicht zu enkodieren erst später entwickeln.
Unsere Ergebnisse und Schlussfolgerungen beziehen sich auf vorläufige Daten, da sich FAVIDE momentan in der zweiten Phase der Rekrutierung und Datenakquisition befindet.

Projektteam: Nordt, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Face recognition is similarly affected by viewpoint in school-aged children and adults" im Journal PeerJ publiziert.


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Hats & Glasses

Der Einfluss von gesichtsnahen Reizen auf das Gesichtergedächtnis bei 4- bis 8-jährigen Kindern

Das Erkennen und Erinnern von Gesichtern spielt eine wichtige Rolle für soziale Interaktionen. Oft sieht man aber nicht nur das Gesicht an sich, sondern auch sogenannte gesichtsnahe Reize. Hierbei kann es sich um Hüte, Brillen oder Schals handeln, die die Erinnerung an ein Gesicht beeinflussen können.

In unsere Studie „Hats and Glasses“ haben wir Kinder zwischen vier und neun Jahren und Erwachsene mit einer Gedächtnisaufgabe an einem Tablet-Computer getestet. In der Gedächtnisaufgabe lernten die Probanden zunächst bestimmte Gesichter, indem sie diese nach dem Geschlecht sortierten. Danach wurden ihnen immer zwei Gesichter nebeneinander gezeigt. Die Probanden mussten entscheiden, welches der Gesichter sie bereits in der Sortieraufgabe gesehen hatten. Manchmal wurde den Gesichtern ein gesichtsnaher Reiz (Hut oder Brille) nach der Sortieraufgabe abgenommen, aufgesetzt oder ausgetauscht.

Mit dieser Aufgabe konnten wir herausfinden, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene von den gesichtsnahen Reizen beeinflusst wurden. Man kann eine Brille oder einen Hut demnach nicht einfach ausblenden. Manchmal können gesichtsnahe Reize aber auch hilfreich sein: Die Probanden konnten Gesichter besser wiedererkennen, wenn sie durchgängig den gleichen Hut oder die gleiche Brille trugen. Wenn man die gesichtsnahen Reize aber verändert wurden, war es schwieriger, ein Gesicht wiederzuerkennen. Wenn die Aufgabe mit Brillen durchgeführt wurde, war es für Kinder und Erwachsene schwieriger, die Personen wiederzuerkennen. Das könnte daran liegen, dass eine Brille die Augen verdeckt. Außerdem werden Brillen in der Regel seltener getauscht als Hüte, weshalb man sich mehr an einer Brille orientiert, um einen Menschen wiederzuerkennen.


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INTOUCH

Mechanismen der Körpercodierung bei 9- bis 10-jährigen Kindern und jungen Erwachsenen

Neben Gesichtern sind auch Körper wichtige soziale Stimuli, deren Bedeutung in der letzten Zeit zunehmend erkannt und erforscht wird. Körper helfen uns zum Beispiel dabei, die Identität oder den emotionalen Zustand anderer Menschen zu erkennen. Allerdings ist über die Verarbeitung und Codierung von Körpern im menschlichen Gehirn bei Erwachsenen noch wenig und bei Kindern noch gar nichts bekannt. Mit einem tabletbasierten, spielererischen Paradigma soll daher in dieser Studie erforscht werden, wie Kinder und Erwachsene Körper im Gehirn codieren und abspeichern und ob es dabei Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen gibt.
Langfristig ist dieses Wissen auch relevant für die Erforschung atypischer sozialer Wahrnehmung, wie zum Beispiel bei Autismus-Spektrum-Störungen.

Projektteam: Hönekopp, Weigelt, Koldewyn


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INVERSI

Rechts herum und links herum: Wie gut werden gedrehte Gesichter erinnert?

Gesichter spielen für uns Menschen im Alltag eine wichtige Rolle, von der Unterscheidung einzelner Personen bis hin zur Erkennung von Stimmung und Emotionen. In der bisherigen Forschung zur Gesichtserkennung wurde festgestellt, dass es Menschen leichter fällt, aufrechte Gesichter zu erkennen und wiederzuerkennen als invertierte Gesichter (also um 180° gedrehte Gesichter). Dieser Effekt nennt sich der Gesichts Inversions-Effekt. Allerdings wurde bisher kaum erforscht, wie gut Gesichter erinnert werden, die nur um 90° gedreht wurden und in wie weit es einen Unterschied zwischen nach links und nach rechts gedrehten Gesichtern gibt. Hier setzt die vorliegende Studie an, indem sie der Frage nachgeht, wie gut die Erinnerungsleistung von um 90 Grad gedrehten Gesichtern im Vergleich zu aufrechten und invertierten Gesichtern bei jungen Erwachsenen im Alter von 20-23 Jahren ist und in wie weit ein Zusammenhang zur Leserichtung besteht.

Projektteam: Rosenthal, Weigelt


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KENNIDI

Perspektivenabhängige Gesichtsdetektion im Kindergartenalter, mit einem Touch-Tablet Paradigma untersucht

Gesichter sind essentiell für das menschliche Sozialleben, da sie viele sozial relevante Informationen wie das Geschlecht und die Emotion einer Person widerspiegeln. Das Gesichtergedächtnis und die Gesichterwiedererkennung wurde hierbei schon weitreichend erforscht. Jedoch ist bisher wenig über die Gesichtererkennung per se bekannt, welche eine Vorbedingung für jede weitere Verarbeitung darstellt. Deshalb wurde in der vorliegenden Studie die Entwicklung der Gesichtererkennung von 102 Kindergartenkindern (2-5 Jahre) mithilfe von Touch-Tablets untersucht. Eine komplexe visuelle Suchaufgabe, die die Erkennungsleistung von Autos und Gesichtern untersucht, wurde verwendet. Es wurde herausgefunden, dass die Erkennungsleistung von Gesichtern und Autos mit dem Alter zunahm, wobei die Gesichtererkennung nicht stärker zunahm, sondern allgemein einen großen Vorteil gegenüber der Erkennung von Autos aufwies. Des Weiteren wurde auch der Einfluss des Perspektive untersucht. Hierbei konnte kein Unterschied in der Erkennung von Gesichtern in Frontal- und Profilansicht gefunden werden. Jedoch wurden Autos in Profilansicht von allen Altersgruppen signifikant langsamer erkannt. Diese Ergebnisse decken sich teilweise mit bisheriger Forschung zur Gesichtererkennung, wo auch Erwachsene einen Gesichtervorteil in der Erkennung zeigten. Im Gegensatz zu unseren Ergebnissen, zeigten hier Erwachsene jedoch einen Vorteil von Frontal- gegenüber Profilansicht bei der Erkennung von Gesichtern, der in der vorliegenden Studie nur bei Autos gefunden werden konnte.

Projektteam: Prüfer, Meissner, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Development of Face Detection in Preschool Children" im Journal International Journal of Behavioral Development akzeptiert.


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PORTALS

Training räumlicher Fähigkeiten durch Videospiele

Gegenüber der nach wie vor schwelenden Debatte über Zusammenhänge zwischen Aggression und Videospielen wächst das Wissen um deren Potenzial, wortwörtlich „spielend“ verschiedene kognitive Fähigkeiten zu verbessern. So ist die förderliche Wirkung von Actionspielen auf eine große Bandbreite an Aufmerksamkeitsfunktionen mittlerweile vielfach belegt. Seit kurzem rücken auch andere Spieltypen und ihre Wirkung auf andere kognitive Fähigkeiten in den Fokus der Forschung – so gibt es erste Befunde zum Training räumlicher Fähigkeiten (wie z.B. mentaler Rotation oder räumlicher Navigation) durch 3D-Puzzlespiele.
Diese Studie untersucht eben diesen Zusammenhang mittels eines insgesamt achtstündigen Trainings am beliebten 3D-Puzzlespiel „Portal“. Erkenntnisse aus dieser und ähnlichen Studien können dabei helfen, den in herkömmlichen Videospielen unabsichtlich erreichten kognitiven Trainingseffekten auf den Grund zu gehen – und auf Basis dieser Erkenntnisse zum Beispiel Interventionsmethoden bei kognitiven Entwicklungsstörungen oder kognitiven Defiziten (nicht nur für Kinder!) zu entwickeln, die nicht nur helfen, sondern dabei auch noch gern durchgeführt werden.

Projektteam: Nolte, Weigelt


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TOL - The Online Lab

Ist das Internet geeignet für psychologische Forschung?

Während manche Forschungsfelder bereits das Internet für ihre Zwecke nutzen, ist der Einsatz im Bereich der Psychologie komplexer. Zum einen gibt es bisher keine systematische Untersuchung, ob es Differenzen zwischen einer klassischen experimentellen Studie im Labor und einer Onlinestudie gibt - und falls ja, welcher Art diese sind. Zweitens beruht die Psychologie auf der Erhebung von direkten Verhaltensmaßen. Die Reaktionszeitmessung ist ein elementares Mittel um Verarbeitungsprozesse aufzuzeigen.Kann man im Internet Reaktionszeiten mit der nötigen Genauigkeit messen? Um diese Frage zu analysieren, haben wir einen dreistufigen Prozess entwickelt, der fünf sehr bekannte und robuste psychologische Experimente in den verschiedenen Stationen eines Übertrags von der klassischen Messmethode zu den Webtechnologien misst. In der ersten Phase von TOL werden Daten unter üblichen „Goldstandard“- Laborbedingungen erhoben. Das bedeutet, die Testungen finden in einer Versuchskammer am Computer mit externem Bildschirm, klassischen Eingabegeräten (Maus, Tastatur) statt und werden mit Offline-Software (z.B. Matlab) programmiert und erhoben. In Phase zwei werden alle oben genannten Bedingungen konstant gehalten – nur wird die Programmierung und Erhebung online stattfinden.In Phase drei wird das in Phase 2 erprobte Online-Experiment von einer großen Versuchspersonenpopulation an ihrem eigenen internetfähigen Endgerät durchgeführt. Die Effekte jedes Experiments werden neben einem Verhältnismaß der Antworten (z.B. korrekt vs. inkorrekt) auch von der Dauer der Reaktion abhängen. Diese Vorgehensweise erlaubt uns beide offenen Punkte mit dem gleichen Datensatz zu analysieren. Zusammengefasst gilt es durch diese Systematik potentielle Schwachstellen beim Übertrag der Forschungsumgebung vom Labor in das Internet zu identifizieren und zu eliminieren. Das endgültige Ziel ist, das Internet als nutzbare Forschungsmethode im Fachbereich Psychologie zu etablieren.

Projektteam: Semmelmann, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Online psychophysics: reaction time effects in cognitive experiments" im Journal Behavior Research Methods publiziert.


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TOLbam - The Online Lab: Baby Cam

Online-Experimente gewinnen als neue Methode zur Datenaufnahme in der Psychologie mehr und mehr an Bedeutung. Sie ermöglichen eine einfache, schnelle, umfassende und preisgünstige Aufnahme von Daten vom Zuhause der Versuchsteilnehmer aus. Um den schon existierenden Möglichkeiten eine weitere hinzuzufügen, haben wir neue Entwicklungen in Webtechnologien verwendet, um die technische Realisierbarkeit von online HTML5/JavaScript-basierter Videodatenaufnahme zu überprüfen. Dazu wurde eine preferential looking-Aufgabe mit Kindern zwischen vier und 24 Monaten durchgeführt. Eltern und Kinder nahmen von zuhause aus durch einen dreistufigen Prozess teil: Als Erstes registrierten sich interessierte Eltern und nahmen über eine Webcam Bilder von sich selbst auf. Im zweiten Schritt bearbeiteten wir die Bilder und integrierten sie in das Experimentaldesign. Schließlich kamen die Teilnehmer zurück auf die Website und die Videodatenaufnahme erfolgte über ihre Webcam. Bezogen auf die Datenqualität musste kein Teilnehmer aufgrund der Bildrate der Webcam oder der Videoqualität ausgeschlossen werden. Nur 7% der Daten wurden wegen behavioraler Faktoren (fehlende Konzentration) ausgeschlossen. Bezogen auf die Ergebnisse zeigte die Interraterreliabilität bei der Blickrichtung (links/rechts) eine hohe Übereinstimmung zwischen den Ratern, Fleiss‘ Kappa κ = 0.97. Dies bedeutet eine ausreichende Datenqualität für weitere Analysen. Bezüglich der Aufmerksamkeitsverteilung auf den und weg vom Bildschirm stellten wir fest, dass Kinder bei einer statischen Bildpräsentation von 60 Sekunden Gesamtexperimentalzeit circa 10 Sekunden nach Beginn eines Trials das Interesse am Bildschirm verloren. Zusammengenommen konnten wir zeigen, dass online-Videodatenaufnahme für die Entwicklungspsychologie und darüber hinaus möglich und praktikabel ist.

Projektteam: Semmelmann, Hönekopp, Weigelt

Die Ergebnisse wurden in unserem Paper "Looking Tasks Online: Utilizing Webcams to Collect Video Data from Home" im Journal Frontiers in psychology publiziert.


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